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Der MĂ€her in der MĂŒhlenwiese

Zwischen dem Burggraben in Detmold und der Werre lag in frĂŒherer Zeit eine Wiese, welche die MĂŒhlenwiese hieß. An hundert Bauern der Umgebung waren verpflichtet, im Sommer je einen oder mehrere MĂ€her fĂŒr die Mahd der Wiese zu stellen. Einst sah der Graf von seinem Schlosse aus den MĂ€hern zu und bemerkte einen, der mit großer Wucht seine Sense schwang. Er ging zu ihm hin und sagte zu ihm.- "Das MĂ€hen macht dir wohl großes VergnĂŒgen, dass du so krĂ€ftig durch das Gras fegst." - “,Durchaus nicht", entgegnete der Mann, .es ist bloß die Wut, dass ich hinten aus dem Amt Lage hierher kommen und den ganzen Tag in der Ritze stehen und mich quĂ€len muss." Da sah der Graf den MĂ€her erstaunt an und fragte, ob er wohl an einem Tage vom Burggraben bis zur Werre einen Weg durch die Wiese mĂ€hen könne. Der Bauer sah sich die LĂ€nge der Wiese an und sagte bedĂ€chtig: “Es ist allerdings ein schweres StĂŒck, aber wenn es sein muss, wollte ich es wohl angehen."  "Nun, das soll ein Wort sein", sagte der Graf. "In diesem Jahre geht es nun nicht mehr, aber wenn du im nĂ€chsten Jahr es fertigbringst, so sollst du mit Kind und Kindeskindern fĂŒr ewige Zeiten von allen Herrendiensten in der MĂŒhlenwiese befreit sein." "Und wenn ich den Tod davon haben sollte", sagte der Bauer, "so will ich es doch unternehmen, dass wenigstens meine Nachkommen diese Last los sind." - Im anderen Sommer stellte er sich zur Zeit der Mahd in der Wiese ein. Bevor er sein Tagewerk begann, sah er still vor sich nieder und sprach ein kurzes Gebet. Dann fasste er seine Sense fest, und nieder fiel Schwaden auf Schwaden unter seinem Hieb. Oft ging sein Blick die Wiese entlang zur Werre hin. Die Sonne stieg höher, der Schweiß tropfte ihm von der Stirn, aber er achtete es nicht: "Bis zur Werre hin und dann nicht wieder auf dieser Wiese, du nicht und deine Kinder nicht!" Kurz war seine Mittagsrast, schon fĂŒhlte er seine Arme ermĂŒden, und die Sonne senkte sich schon ĂŒber den Pinneichen. Schneller flog die Sense im Bogen, nĂ€her und nĂ€her kam auch das Ende. Nun nahm er die letzte Kraft zusammen, und jetzt fielen die letzten letzten Halme am Flussufer der Werre. Ermattet sank der MĂ€her auf das Gras, auf seine Schwaden. Noch einmal schlug er die Augen auf und flĂŒsterte: "Gott sei Dank, das war das letzte Mal.' Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.