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Gemeinde Extertal

Gemeindewappen

Geschichte der Gemeinde Extertal
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Durch das "Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Lemgo" vom 5. November 1968 wurden mit Wirkung vom 1. Januar 1969 die bisher selbst√§ndigen Gemeinden Almena, Asmissen, Flecken B√∂singfeld, Bremke, G√∂strup, K√ľkenbruch, La√übruch, Meierberg, Nalhof, Rott, Sch√∂nhagen und Silixen zu der neuen Gemeinde Extertal zusammengeschlossen. Dies geschah im Rahmen einer das gesamte damalige Bundesgebiet erfassenden Kommunalreform. Die Entfaltung des modernen Lebens seit 1945 lie√ü die Kommunen zu gro√üen Dienstleistungsunternehmen werden. Die Anspr√ľche an die Verwaltung stiegen. Bis 1968 aber hatte, au√üer in B√∂singfeld, in allen Gemeinden des Extertals ein fachlich nicht ausgebildeter B√ľrgermeister s√§mtliche kommunalen Aufgaben, vielfach sogar nebenberuflich, wahrnehmen m√ľssen. Die Bildung der Gro√ügemeinde, durch die uralte Formen l√§ndlicher Selbstverwaltung mit stark entwickeltem Ortsbewusstsein ihr Ende fanden, war also unumg√§nglich. Es wurden dabei D√∂rfer zusammengefasst, die vom 13. Jahrhundert an in einer selbst√§ndigen politischen Einheit, der Grafschaft Sternberg, organisiert waren und naturr√§umlich zusammengeh√∂ren.

Die Gemeinde ist nahezu identisch mit dem Einzugsgebiet der Exter und ihrer Zufl√ľsse. Im Norden √∂ffnet es sich zum Rintelner Becken, w√§hrend es nach Westen, S√ľden und Osten durch zusammenh√§ngende H√∂hen klar abgegrenzt ist. Es ist Teil des nordlippischen Keuperberglands, dessen H√ľgel von dem harten Rh√§t, einer Mischung aus Sandstein und Quarzit, bedeckt sind, und liegt unmittelbar am Rand der von den Gletschern der Eiszeit geformten Landschaft Norddeutschlands. Einmal drang das Eis in das n√∂rdliche Gebiet des Extertals ein, wo die Schmelzwasser im Alme- und La√übachtal den f√ľr die sp√§tere Landwirtschaft wichtigen Geschiebelehm und im Raum Silixen Sand und Kies ablagerten. Daneben brachten die Gletscher zahlreiche Gesteinstr√ľmmer mit sich, die f√ľr das n√∂rdliche Extertal typischen Findlinge.

Als das Eis unsere Heimat endg√ľltig verlassen hatte, stieg die j√§hrliche Durchschnittstemperatur immer mehr an. So entstand bis 6000 v.Chr. in ganz Mitteleuropa ein zusammenh√§ngender Urwald, in dem √ľberall die Menschen des Mesolithikums, der mittleren Steinzeit, in kleinen Stammesgruppen als J√§ger und Sammler lebten. Aus dieser Zeit stammen die ersten Spuren menschlicher Besiedlung im Extertal: Feuersteinfunde aus Rott, Almena und Bremke. Bei uns kann nur eine Gruppe von ca. 20 Menschen gelebt haben, weil sie f√ľr ihre Ern√§hrung riesige Waldfl√§chen ben√∂tigte.

Eine große Zahl von Menschen konnte im Extertal erst leben, als durch Ackerbau und Viehzucht eine gänzlich neue Nahrungsgrundlage geschaffen wurde. Von 4500 v. Chr. an drangen Bauernvölker in unsere Heimat ein. Es handelte sich um Menschen des Neolithikums, der Jungsteinzeit. Eine Reihe von Bodenfunden zeigt, dass sie auch im Extertal ansässig waren.

Es sind allerdings weitaus weniger als in anderen Gebieten Deutschlands. Mit den primitiven Holzger√§ten jener Zeit konnten die Menschen der Jungsteinzeit die harten Rh√§tkuppen unserer Berge nicht bebauen, sondern waren auf die leicht ansteigenden Fl√§chen im Anschwemmland der Bacht√§ler angewiesen. Das gesamte Bergland blieb Urwald, der die etwa 10 "Rodungsinseln" mit je etwa 10 Einwohnern umgab. Die genaue Lage dieser "Urh√∂fe" l√§sst sich nicht mehr feststellen. Hinweise liefern uns die H√ľgelgr√§ber, in denen etwa von 2000 v. Chr. an die Toten beigesetzt wurden. Im Gebiet der Gemeinde Extertal sind noch etwa 25 Gr√§ber vorhanden. Sie liegen auf Anh√∂hen oberhalb der damals besiedelten Gebiete. Vierzehn befinden sich im Rintelnschen Hagen bei Rott und kennzeichnen die Rodungsinsel am Bremker Bach. Als gegen 1200 v. Chr. auch unsere Heimat von indogermanischen V√∂lkern erobert wurde, deren Religion die Totenverbrennung erforderte, wurde die Errichtung von H√ľgelgr√§bern aufgegeben. So wissen wir √ľber die Besiedlungsgeschichte des Extertals bis zu 2. H√§lfte des 9. Jahrhunderts nach Christus nichts. Etwa um 500 d√ľrfte unsere Heimat unter die Herrschaft des Stammes der Sachsen geraten sein. Die Sprache dieses Volkes ist die Wurzel des bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bei uns als Umgangssprache √ľblichen "Platt". Ein Kennzeichen der Sachsen war die strikte Scheidung zwischen einer herrschenden Adelsschicht, die wahrscheinlich aus den Nachkommen der Eroberer bestand, und der unterworfenen Bev√∂lkerung. Diese Trennung blieb auch bestehen, als Karl der Gro√üe zwischen 772 und 804 in vielen Feldz√ľgen die Sachsen unterwarf und so ihre Eingliederung in die christlich - abendl√§ndische Kultur erreichte.

Sitz eines edelfreien Geschlechts war die Uffoburg auf dem Hagenberg bei Bremke. Von ihr sind allerdings nur Wall und Graben, keine Geb√§ude, erhalten. Sie umfasst ein in Haupt- und Vorburg gegliedertes Gel√§nde von 2,4 Hektar. Bewohnt war sie nur von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis ca. 920. Wir kennen weder den Grund f√ľr ihre Zerst√∂rung noch die Namen ihrer Besitzer. Auf jeden Fall herrschte hier eine Adelsfamilie √ľber eine ihnen h√∂rige, zu Diensten und Abgaben verpflichtete Bev√∂lkerung. Der Name "Uffo" stammt erst aus dem 15. Jahrhundert und ist wohl nicht historisch.

Die primitiven landwirtschaftlichen Methoden waren bis ins 12. Jahrhundert beibehalten worden. Das Extertal glich einem "Waldmantel mit Lichtungen". Erst die landwirtschaftlich-technische Revolution des Hochmittelalters beendete diese Stagnation. Damals verbreiteten sich in kurzer Zeit der eiserne R√§derpflug, die Dreifelderwirtschaft und die Wasserm√ľhle. √úberall wurden die Rh√§tkuppen in unserem Tal gerodet, der Wald bis auf einen noch heute bestehenden Restbestand entfernt. Die gesamte Kulturlandschaft stammt aus dieser Zeit, die meisten Alth√∂fe sind damals entstanden. Vorherrschende Siedlungsform wurden Weiler mit wenigen Hofstellen, nur in Silixen, Almena und La√übruch kam es zur Gr√ľndung echter D√∂rfer.

Tr√§ger der Agrarrevolution waren die Grundherren, Adel und Kl√∂ster. Gerade in dieser Zeit der Umw√§lzung war die Macht des Reiches immer mehr gesunken. M√§chtige Geschlechter erlangten seit ca. 1150 in einem begrenzten Bereich die Hoheitsrechte, schufen die gro√üen H√∂henburgen und kultivierten ihren Besitz, der anf√§nglich nur ein "Machtbereich" war, aber schon bald ein Kleinstaat, ein "Territorium" wurde. Sitz des Geschlechts, das urspr√ľnglich die Herrschaft im Extertal aus√ľbte, war die Burg Alt-Sternberg auf dem M√ľhlingsberg im Gebiet der heutigen Gemeinde D√∂rentrup. Sie wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts aufgegeben. Der Name der Adelsfamilie ist nicht bekannt. Ihre Erben wurden die damals m√§chtigen Grafen v. Schwalenberg. Durch die Erbteilung um 1240 fiel der Besitz an eine j√ľngere Linie, die sich "Grafen v. Sternberg" nannte. Sie schufen einen echten Kleinstaat im Bereich der heutigen Gro√ügemeinden Barntrup, D√∂rentrup und Extertal (ohne Silixen). Ihr Wappen, der Stern, wird noch heute von der Gemeinde Extertal gef√ľhrt. Als Mittelpunkt ihrer Herrschaft errichteten sie um 1240 die Burg Sternberg in 379,6 m H√∂he. Sie ist ein im Osten abgerundetes Rechteck von 30:60 m und in Haupt- und Vorburg gegliedert, die durch eine Quermauer getrennt sind. Die von einem tiefen, aus dem Felsgestein ausgehauenen Graben umschlossene Ringmauer stammt noch aus dem Mittelalter, w√§hrend die heute bestehenden Geb√§ude dem 15. und 16. Jahrhundert angeh√∂ren.

Zum Landesausbau geh√∂rte damals die Gr√ľndung von St√§dten. Parallel zur Agrarrevolution schufen die Landesherren im 13. und 14. Jahrhundert eine F√ľlle von St√§dten in rein l√§ndlichen Bereichen. Dies hatte ein bisher nicht dagewesenes Aufbl√ľhen von Handel und Handwerk zur Folge. Erste Stadtgr√ľndung der Grafen von Sternberg kurz vor 1252 war B√∂singfeld. Der Ort entstand, wie viele neue St√§dte, auf bisher unbebautem Gel√§nde nach dem damals √ľblichen Dreistra√üen-Schema. Er wurde allerdings nicht ummauert, sondern durch ein Dorndickicht, den Hagen, bewehrt. Als Stadtresidenz der Grafen diente eine "Burg", die aber 1424 zerst√∂rt wurde und deren Lage unbekannt ist. B√∂singfeld bekam eine b√ľrgerliche Selbstverwaltung mit B√ľrgermeister und Rat, konnte sich aber nicht recht entfalten, weil die Grafen auf ihrem kleinen Territorium noch zwei weitere Stadtgr√ľndungen (Alverdissen und Barntrup) betrieben hatten. Zwischen 1437 und 1442 wurde B√∂singfeld zum "Flecken" herabgestuft, zu einem Marktort mit beschr√§nkter Selbstverwaltung.

Die Agrarrevolution hatte einen starken Anstieg der Bev√∂lkerungszahl zur Folge. So gr√ľndeten die Grafen zwei Pfarrkirchen. Die in B√∂singfeld entstand zur Zeit der Stadterhebung um 1252. Von ihrer mittelalterlichen Bausubstanz ist nichts mehr erhalten. Das jetzige Schiff geht auf Bauma√ünahmen von 1708 und 1857 zur√ľck, der Turm wurde 1934 erbaut, nachdem sein mittelalterlicher Vorg√§nger wegen Bauf√§lligkeit niedergelegt worden war. Der Gr√ľndungsbau der Almenaer Kirche aus dem 13. Jahrhundert, eine romanische Gew√∂lbehalle, wurde 1865/66 durch eine neugotische Stufenhalle mit Lehmgew√∂lben ersetzt. Der alte quadratische Westturm blieb aber erhalten. In Silixen, das damals dem Damenstift M√∂llenbeck unterstand, kam es vor 1267 zur Kirchengr√ľndung. Hier ist der urspr√ľngliche querrechteckige Westturm noch erhalten, w√§hrend das romanische Schiff 1803 durch das jetzige Geb√§ude ersetzt wurde, das bei einem Umbau 1954 einen Chorraum und ein Tonnengew√∂lbe erhielt. Die beiden Kircht√ľrme sind neben dem Gut Ullenhausen die √§ltesten Bauwerke in der Gemeinde Extertal. Die Silixer Kirche besitzt den √§ltesten Sakralgegenstand in unserem Gebiet: ein um 1500 angefertigtes Weihwasserbecken.

Die staatliche Selbst√§ndigkeit der Grafschaft Sternberg endete bereits 1377. In diesem Jahr verkaufte Graf Heinrich V aus unbekannter Ursache sein Land mit allen Hoheitsrechten an seinen Schwager, Graf Otto I von Schaumburg. Dieser geriet aber schon bald in gro√üe Geldn√∂te. So wurde 1400/05 das gesamte neuerworbene Territorium f√ľr 600 Mark Silber und 5840 rheinische Gulden an den Edelherrn Simon III zur Lippe verpf√§ndet. Das Extertal blieb also Bestandteil der Grafschaft Schaumburg, wurde jedoch bis zur R√ľckzahlung der Summe von Lippe verwaltet. Allerdings versuchte 1424 Graf Adolf IX von Schaumburg das verlorene Gebiet mit Gewalt zur√ľckzugewinnen. In einer erbitterten Fehde wurde zwar das Extertal verw√ľstet und in B√∂singfeld Kirche und Burg zerst√∂rt, doch gelang es dem Edelherrn Simon IV zur Lippe durch entsprechende Gegenma√ünahmen, die Grafschaft Sternberg zu behaupten. Im 16. Jahrhundert versuchte das Haus Schaumburg mehrfach, durch R√ľckzahlung der Pfandsumme das Gebiet einzul√∂sen. Lippe konnte aber die R√ľckgabe immer wieder aufschieben, bis das Schaumburger Grafenhaus 1640 erlosch. Nun behauptete aber der F√ľrst-Bischof von Paderborn, Sternberg sei ein Lehen des F√ľrst-Bistums und beanspruchte die staatlichen Rechte. Allerdings hatte Lippe selbst 1733 das Amt Sternberg mit s√§mtlichen Hoheitsrechten an den K√∂nig Georg II von Gro√übritannien, der zugleich Kurf√ľrst von Hannover war, f√ľr 450.000 Reichstaler verpf√§ndet. Die Schuldenpolitik des Grafen Simon Henrich Adolf machte diese Ma√ünahme notwendig, weil sonst der Staatsbankrott erfolgt w√§re. Bis zur Wiedereinl√∂sung 1781 wurde das Extertal von einem auf der Burg Sternberg residierenden "K√∂niglich-Gro√übritannischen Amtmann" regiert. Es folgte ein Rechtsstreit mit Paderborn, der 1788 mit dem Sieg Lippes endete. Erst von diesem Jahr an war das Extertal rechtm√§√üiger Teil Lippes. Von diesen Streitigkeiten waren Almena und Silixen nicht betroffen. Almena galt seit 1411 als Bestandteil (Exklave) der Herrschaft Varenholz, die zwar 1323 von Lippe angekauft, jedoch 1411-1563 an die Ritter von Kallendorp bzw. De Wend verpf√§ndet worden war. Silixen hatte nie zur Grafschaft Sternberg geh√∂rt, sondern stets unter der Hoheit von Varenholz gestanden. Allerdings gab es keine klare Grenzziehung. Schaumburg beanspruchte das gesamte Silixer Gebiet n√∂rdlich des Silixer Baches. Zwischen 1563 und 1669 tobte ein erbitterter Grenzstreit. Erst als 1647 Hessen-Kassel die Grafschaft Schaumburg in Besitz genommen hatte, wurde nach langwierigen Verhandlungen 1669 die Silixer Frage gel√∂st. Das Dorf kam ganz zu Lippe und an das Amt Varenholz, der gr√∂√üte Teil der Feldmark an Schaumburg. Diese Regelung f√ľhrte zu einem zweiten Streit um Silixen, da die Frage der Besteuerung nicht gekl√§rt worden war. Er wurde 1779 beigelegt. Die Grenze von 1669 hatte bis 1971 Bestand. In diesem Jahr wurde das Dorf durch einen Staatsvertrag zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachen wieder mit seiner Feldmark vereinigt.

Im 15. Jahrhundert waren die Landesherren bestrebt, ihre Territorien zu zentral verwalteten Staaten auszubauen. War die Burg Sternberg bis 1492 an wechselnde Adelsfamilien ausgegeben worden, so wurde sie nun Sitz eines landesherrlichen Amtes. Ein vom Grafen ernannter Amtmann nahm alle Hoheitsrechte (Verwaltung, Steuerangelegenheiten und Justiz) wahr. Sein Sitz, die Burg Sternberg, wurde zentrale Instanz f√ľr alle Untertanen. Das Amt umfa√üte das Gebiet der heutigen Gro√ügemeinden Extertal (ohne Silixen und Almena) und D√∂rentrup. Wegen der Zust√§ndigkeit des Amtes f√ľr praktisch alle Lebensbereiche sind die noch erhaltenen Akten (besonders die Gogerichtsakten und die Eheprotokolle) eine unersch√∂pfliche Quelle f√ľr die Geschichte des Extertals, f√ľr Ahnen- und Hausstellenforschung. In den einzelnen D√∂rfern wurde die Staatsgewalt durch eingesessene Bauerrichter vertreten. Aus ihren seit ca. 1600 erhaltenen Anzeigen (Gogerichtsakten) erfahren wir alle Einzelheiten √ľber das Verhalten der Untertanen. Jeder sexuelle Fehltritt z.B. mu√üte dem Amt gemeldet werden. Diese Angaben sind auch f√ľr die heutigen Bewohner von Interesse. Seit ca. 1600 n√§mlich ist eine erstaunliche Kontinuit√§t der Familien festzustellen. Praktisch alle einheimischen Personen, die 1940 im Extertal lebten, sind Nachkommen der Bev√∂lkerung um 1600. Aus den Sternberger Akten ist auch ist zu erkennen, dass es zwischen 1600 und 1800 einen stetigen Anstieg der Bev√∂lkerungszahl und viele Neugr√ľndungen von Kleinhausstellen gab, die allm√§hlich die D√∂rfer anf√ľllten. Grundlage war die Einbeziehung des Extertals in die Hausindustrie der Leinenproduktion, f√ľr die die meisten Einwohner durch Flachsanbau, Spinnen und Weben t√§tig waren. 1590 lebten auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde 2347 Menschen auf 214 Hausstellen. 1807 z√§hlte man 4238 Einwohner auf 537 Kolonaten.

Bereits am Ende des 18. Jahrhunderts √ľberstieg die Zahl der in der Heimindustrie und im Handwerk Besch√§ftigten die der in der Landwirtschaft T√§tigen. In Silixen betrug das Verh√§ltnis 4:1. Deshalb war die Bev√∂lkerung des Extertals besonders schwer von der Vernichtung der Hausweberei in der Mitte des 19. Jahrhunderts betroffen, fehlte es doch g√§nzlich an sonstigen Erwerbsm√∂glichkeiten. Weit √ľber 1000 Bewohner unseres Tales sind damals in die USA ausgewandert, bei einer Bev√∂lkerungszahl, die zwischen 1807 und 1880 von 4238 auf 6553 angestiegen war. Noch heute sind viele B√ľrger der USA sehr daran interessiert, Kenntnisse √ľber ihre Vorfahren im Extertal zu gewinnen.

Die wichtigste L√∂sung f√ľr unsere Einwohner bot sich aber durch das Gewerbe der Wanderziegler an. Die rasante Baut√§tigkeit in den industriellen Ballungsr√§umen f√ľhrte zu einem riesigen Bedarf an Ziegeln. F√ľr etwa 100 Jahre, zwischen 1840 und 1940, zog so der gr√∂√üte Teil der Extertaler zur "Kampagne" in die Gro√üst√§dte, wo sie in ihren "Kommunen" durch sehr schwere Arbeit und ein sehr sparsames Leben f√ľr damalige Verh√§ltnisse erhebliche Geldsummen erwarben.

Viele konnten davon im Extertal ein Eigenheim erbauen. Die Zahl der Hausstellen stieg in dieser Zeit st√§rker an als je zuvor. Zwischen 1840 und 1933 wurden z. B. in Silixen 66 neue Kolonate errichtet. In der gesamten Vergangenheit waren nur 64 gegr√ľndet worden. Der wachsende Wohlstand zeigte sich auch darin, da√ü etwa ab 1900 die bisher v√∂llig vorherrschende Fachwerkbauweise durch den Massivbau abgel√∂st wurde. Zwar finden wir noch viele Fachwerkh√§user aus der Zeit zwischen 1700 und 1900, doch dominieren in den D√∂rfern die Ziegelh√§user in den charakteristischen Bauformen der 1. H√§lfte des 20. Jahrhunderts. Ein markantes Beispiel ist das 1896 errichtete "Alte Pfarrhaus" in B√∂singfeld (seit 1968 im Besitz der politischen Gemeinde und heutiges Rathaus II).

Die in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg sich h√§ufenden Katastrophen der Wirtschaft f√ľhrten zum Untergang des Gewerbes der Wanderziegler. Zeitweise war der gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung arbeitslos. Besonders machte sich die schlechte Verkehrslage bemerkbar. Hier bot der Bau der Extertalbahn, die 1927 fertiggestellt wurde, einen Ausweg. So wurden die D√∂rfer unserer Heimat an die Strecken L√∂hne-Hameln und Bielefeld-Lemgo-Hameln angeschlossen. Bis zur Abl√∂sung des Personenverkehrs durch Busse 1966 bildeten die wei√üroten Triebwagen ein Charakteristikum des Extertals.

Dies kam besonders dem Fremdenverkehr zugute. Erst seit der Jahrhundertwende war der Urlaub auf dem Lande f√ľr weite Bev√∂lkerungsschichten m√∂glich geworden. √Ąlteste Fremdenpension im Extertal war das "Christliche Erholungsheim" Wieneke in Almena. Das 1912 im historischen Stil errichtete Geb√§ude ist auch heute noch ortsbildpr√§gend

Die verbesserten Verkehrsbedingungen erm√∂glichten es den Bewohnern unseres Tals seit den f√ľnfziger Jahren, in den umliegenden St√§dten und Industriegebieten Arbeit zu finden. Als das Auto dann seinen Siegeszug antrat, konnten die Pendler ihre Arbeitspl√§tze praktisch im gesamten Gebiet Ostwestfalen/Weserbergland erreichen. Dies f√ľhrte in sehr vielen F√§llen zu einem erheblichen sozialen Aufstieg. Dar√ľber hinaus wurde aber in den f√ľnfziger Jahren durch gezielte Wirtschaftsf√∂rderungsma√ünahmen (Ostwestfalenplan) das Extertal selbst zum Industriestandort (B√∂singfeld/Asmissen und Silixen).

Der Straßenbau und die Errichtung moderner Versorgungsunternehmen verringerten seit den sechziger Jahren den bis dahin krassen Unterschied von Stadt und Land. Wichtigste Maßnahmen waren der Ausbau der Extertalstraße, der Hauptverkehrsader, 1968/69, und der Umgehungsstraße in Bösingfeld 1986/87.

Als nach 1945 zahlreiche Heimatvertriebene ins Extertal kamen, fanden sie v√∂llig unzul√§ngliche Wohnverh√§ltnisse vor. Die staatlichen Wohnungsbauf√∂rderungsprogramme erm√∂glichten aber eine Baut√§tigkeit, die die Zahl der Hausstellen innerhalb von 30 Jahren auf das Zweieinhalbfache ansteigen lie√ü. Erst jetzt war es m√∂glich, Ackerland in Siedlungsland umzuwandeln. Die Bauwilligen waren jedoch nicht nur Heimatvertriebene, sondern stammten auch aus den umliegenden St√§dten und dem Ruhrgebiet, angezogen von den niedrigen Grundst√ľckspreisen. Seitdem bilden die alteingesessenen Bewohner nur noch eine Minderheit. So stieg die Bev√∂lkerungszahl zwischen 1939 und 1962 von 7606 auf 10408.

1945 wurde das Extertal weithin bekannt, weil der Oberbefehlshaber der Britischen Besatzungszone das Gut Rickbruch zu seiner Residenz w√§hlte. Bis 1946 bekleidete Feldmarschall Sir Bernard Law Montgomery, der bedeutendste britische Heerf√ľhrer des zweiten Weltkrieges, dieses Amt.

Kommunale Selbstverwaltung besa√ü im Extertal urspr√ľnglich nur der Flecken B√∂singfeld. Seit seiner Gr√ľndung wurde er von B√ľrgermeister und Rat verwaltet. 1926/28 konnte ein repr√§sentatives neues Rathaus errichtet werden, das seit 1969 der Gemeinde Extertal dient. Die √ľbrigen Orte erhielten zwischen 1848 und 1919 allm√§hlich die kommunalen Rechte. Erst 1937 wurden die Ortsvorsteher "B√ľrgermeister". Eigene Verwaltungsgeb√§ude gab es aber nicht. Als in den achtziger Jahren die √∂rtlichen Gastst√§tten aufgegeben wurden, verloren die Vereine h√§ufig ihre Vereinslokale. So wurden durch intensive Eigenleistung der B√ľrger sechs Dorfgemeinschaftsh√§user geschaffen, vier in ehemaligen Schulen, zwei als Neubauten.

Die ersten Schulen entstanden kurz vor 1600 in den drei Kirchorten. Das Mittelalter kannte keine Volksschulen. Erst zwischen 1670 und 1713 folgten die Schulen in La√übruch, Bremke, Linderhofe und Meierberg. Alle waren Fachwerkh√§user, die zwischen 1889 und 1909 durch die noch bestehenden Massivbauten ersetzt wurden. Hinzu kamen Neugr√ľndungen in Rott (1889), Linderbruch (1895) und G√∂strup (1957), sowie die Pestalozzi-Schule 1962 (Sonderschule, Geb√§ude 1970).

Die Bildungsreform der sechziger Jahre f√ľhrte zu einer starken Konzentration im Schulwesen. Trotz starker Proteste der Bev√∂lkerung wurden 1967/75 sieben Dorfschulen geschlossen. Seither gibt es nur noch die Hauptschule B√∂singfeld (Geb√§ude 1974/75) und die Grundschulen in B√∂singfeld (ehemalige Volksschule 1909/63) und Silixen (Geb√§ude 1962/68).

Die Entwicklung der modernen Technik f√ľhrte um die Jahrhundertwende allgemein zu gesteigerten Bildungsanforderungen im Berufsleben. Deswegen wurden √ľberall Realschulen errichtet. Nach einer langen Vorgeschichte (1901-1940) konnte 1952 ein Aufbauzug an der Volksschule B√∂singfeld begr√ľndet werden, aus dem 1966 die Realschule hervorging (Geb√§ude 1967/70).

Seit der Reformation in Lippe 1538 war nahezu die gesamte Bev√∂lkerung evangelisch. Erst durch die Vertreibung 1945 kamen zahlreiche katholische Christen, vor allem aus Schlesien, ins Extertal. F√ľr sie wurde 1952 die Heilig-Geist Kirche in B√∂singfeld erbaut. Dort finden wir auch die Gottesh√§user von drei kleinen Religionsgemeinschaften, der Freien Evangelischen Gemeinde (begr. 1933), der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas (beide begr. 1949).

Gut Ullenhausen:

Das ehemalige Rittergut Ullenhausen das √§lteste und neben der Burg Sternberg das bedeutendste Baudenkmal der Gemeinde Extertal. Gegr√ľndet wurde es um 1240 als Kloster, das im ersten Jahrhundert seines Bestehens zu einer gewissen Bl√ľte gelangt sein muss, denn im Jahre 1300 sprechen die Grafen von Pyrmont sehr achtungsvoll von den Benediktinerinnen aus Ullenhausen. Dieses Ansehen m√∂gen die Nonnen von Ullenhausen auch im 14. Jahrhundert noch genossen haben, denn es flossen ihnen weiterhin Spenden f√ľr Seelenged√§chtnisse zu.

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts ging es mit Ullenhausen rapide bergab: der verschuldete Konvent bestand 1407 nur noch aus 5 Mitgliedern. Im Jahre 1420 war die Lage hoffnungslos; die Geb√§ude des einsam gelegenen Klosters waren teilweise zerst√∂rt und die Eink√ľnfte blieben aus. Die Eversteinsche Fehde (1407/1408) und die beginnende Agrarkrise d√ľrften Ursache dieses Niedergangs gewesen sein.

Wohl in den folgenden Jahrzehnten, als Lippe und Schaumburg heftig um den Besitz der alten Grafschaft Sternberg stritten, gaben die Benediktinerinnen ihr gemeinsames Leben in Ullenhausen endg√ľltig auf und √ľbertrugen ihren Grundbesitz den Augustiner-Eremiten in Herford. Um 1500 gab es in Ullenhausen keine Kirche mehr.

1557 wurde Ullenhausen als Rittergut des lippischen Landesherrn Simon V der Familie Werpup aus Alverdissen bis Anfang 1700 als Lehnsgut √ľbertragen. 1704 bis 1798 besa√ü die Familie des k√∂niglichgro√übrittischen Hauptmann von Alten das, die es 1798 an die Familie Cordemann verkaufte. 1937 erwarb Heinrich Braband das Gut. Heute bewirtschaftet und erh√§lt dessen Enkel Cord-Hennig Braband das Gut und das ganz im Sinne der fast 800-j√§hrigen Baugeschichte und im Wissen um die bauhistorische Bedeutung der Geb√§ude.

Quelle: Homepage der Gemeinde Extertal