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Oerlinghausens Geschichte
Oerlinghausen, das idyllisch in grüner Umgebung gelegene Städtchen am Teutoburger Wald, bietet sich den Blicken des Wanderers in
bunten Farbpunkten, die weithin sichtbar um die ehemalige Alexanderkirche (ev.-ref. Kirche) an den Tönsberg getupft wurden. Überragt vom Wahrzeichen, dem Mühlenstumpf, vom Volksmund liebevoll
Kumsttonne genannt, und bis in die Senne-landschaft hineinreichend, wurzelt die historische Vergangenheit der Stadt tief in der Frühgeschichte der Region.
Schon in vorgeschichtlichen Zeiten war
die Sicherung und Beherrschung der Übergänge über den Teutoburger Wald, der wie ein Riegel vor der weitläufigen Sennelandschaft liegt, für die hier siedelnden Stämme von vitaler Bedeutung. Der
Siedlungsplatz auf dem Tönsberg, das Tönsberglager, wurde daher schon weit in vorchristlicher Zeit genutzt und war vermutlich bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. als Wehr- und Fluchtplatz in Funktion.
Wälle und Befestigungen sind noch heute zu sehen und zeigen, mit der Ruine einer frühchristlichen Kapelle oder Klause, bereits den historischen Übergang in die fränkische Zeit.
Dem Namen
"Tönsberg" liegt Antonius zugrunde, vermutlich der Name des Heiligen, dem die Franken ihre frühe Kapellengründung widmeten.
Am 25. Mai 1036 taucht die Existenz des Siedlungsplatzes Oerlinghausen zum ersten Mal aus dem Dunkel der Geschichte auf. Der Paderborner
Bischof Meinwerk stattete nach der Gründung des Klosters Busdorf dieses mit dem Zehnten verschiedener Haupthöfe und Vorwerke aus, die in dieser Zeit bereits fest in der Paderborner Herrschaft verankert
waren. In dieser Urkunde wird u. a. erstmalig die Bezeichnung "Orlinchusen" erwähnt.
Wahrscheinlich ist aber das Vorwerk "Orlinchusen" älter als die bischöfliche Urkunde ausweist. Dieser Rückschluß ist
zulässig, da Bodenfunde bei der Restaurierung der ev.-ref. Kirche (ehem.
Alexanderkirche) Hinweise darauf gaben, daß die zum ersten Mal im Jahre 1203 erwähnte romanische Kirche, vermutlich in das 9.
Jahr-hundert zu datieren ist. Das aber gäbe nur Sinn im Verbund mit einer bereits existierenden Ansiedlung.
In den folgenden Jahrhunderten fehlen exakte Zeugnisse für die weitere Entwicklung des Siedlungsplatzes "Orlinchusen", wenn
man von Kirchenurkunden von 1230/1279/1332/1440/1448 absieht. Erst im 16. und 17. Jahrhundert können wieder genauere Hinweise auf Entwicklungen der heutigen Stadt verzeichnet werden. So ist sicher, dass
während des Dreißigjährigen Krieges der noch jungen Gemeinde schwerer Schaden zugefügt wurde. Im Jahre 1642 sind noch 24 Hausstellen verzeichnet, die die Verwüstungen und Plünderungen der
unterschiedlichsten Söldnerhorden überstanden haben. So stand der Oerlinghauser Vogt Heinrich Tofall bereits 1629 kurz vor dem Konkurs, und auch Barkhausen war nach Ende des Krieges bankrott.
Aber es gibt auch Leute, die ihren Reichtum während des Krieges vermehrt hatten, denn der plötzliche Aufstieg und die Gütervermehrung
des Johann Bracht ab 1650, eine bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannte Persönlichkeit, ist in ihrer Art in Lippe einmalig und läßt keine andere Erklärung zu. Aber der spätere Landvogt Bracht ist
ein Segen für das gebeutelte Gemeinwesen, denn er baut auf (Tönsbergstraße), streckt verarmten Handwerkern Geld vor und zieht Händler nach Oerlinghausen, die von Hauswebern angefertigtes Leinen
aufkauften. Hier liegt der Grundstock für die Entwicklung Oerlinghausens im 18. und 19. Jahrhundert.
Die Kriegerische Ausbeutung der späteren Stadt hört nicht auf: 1675 und 1676 fällt der Münsteraner Bischof Bernhard von Gahlen in
Lippe plündernd ein; während des Siebenjährigen Krieges erpresst die französische Armee, die 1757 in Oerlinghausen stationiert ist, Unterhalt und Verpflegung und damit einen Schadensanteil von ca.
73.000 Reichstalern. Die Stationierung der französischen Truppen bringt aber nicht nur Schaden, sondern für die Nachwelt die erste Karte von Oerlinghausen (Camp d'Urlinchusen von 1757).
Zum Ende des 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nimmt die Bevölkerung der Dorfgemeinde, wie überall in Lippe, zu. 1750 sind es
schon wieder 62 Hausstellen, und im Jahre 1824 werden bereits 1430 Dorfeinwohner gezählt.
Die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht in gleicher Weise kontinuierlich besser geworden, sondern
vielen Rückschlägen unterworfen gewesen. Die schon früh begonnene Herstellung von feinem Leinen, im Gegensatz zu dem überwiegend groben Leinen im übrigen Lippe und der Handel mit dieser Ware, bringt
der Bevölkerung zwar ein Auskommen, aber keinen Wohlstand. Grund hierfür ist, dass insbesondere Handelswege und Handelsverbindungen, z. B. während der Existenz des "Königreichs Westfalen",
immer wieder neu geknüpft werden mussten und Zoll- und Handelsbeschränkungen die Entwicklung behinderten. Namen wie Tölcke und die Gebrüder Becker stehen für erfolgreichen Handel, das
Zusammenschrumpfen der Oerlinghauser Bevölkerung um 1850 auf 1510 Bürger für den zeitweiligen Niedergang der Leinenweberei. Aber gerade zu dieser Zeit kam der junge Bielefelder Unternehmer Carl David
Weber mit neuen Ideen und weitläufigen Verbindungen nach Oerlinghausen und brachte den Leinenhandel zu neuer Blüte. Ein kontinuierlicher Aufstieg der Dorfgemeinde Oerlinghausen begann, und die nun
entstehenden Villen, Kontore, Parks und Fabriken der Familien Weber und des Schwiegersohns Müller, gestalten noch heute das Stadtbild und geben Zeugnis vom Wohlstand der Familien. Ungefähr zur gleichen
Zeit mit Carl David Weber entwickelte sich in Oerlinghausen auch eine handwerkliche Zigarrenherstellung, in deren Industrie bis zum Ende des 2. Weltkrieges zeitweilig 100 Menschen Arbeit fanden. Schon im
Jahre 1892 begannen Bürger und Geschäftsleute auch einen anderen Erwerbszweig, nämlich den Fremdenverkehr, für Oerlinghausen zu erschließen und die wunderschöne Lage in den bewaldeten Höhen des
Osning und die Vielseitigkeit der Wald- und Sennelandschaft für eine ,,Sommerfrische" anzubieten.
Der heute noch beliebte und bekannte ,,Hermannsweg" über den Tönsberg und andere
Wander- und Spazierwege, z. B. im Schopketal, wurden vom Verkehrs- und Verschönerungsverein angelegt und verfügen heute - mit dem Hermannsweg - über ein Netz von ca. 80 km.
Oerlinghausen wird
weltgewandter und setzt seine Bemühungen um die Stadtwerdung energisch fort. Am 1. April 1926 haben diese Anstrengungen endlich Erfolg:
Das lippische Landespräsidium verleiht der Dorfgemeinde die Stadtrechte.
Eine stürmische Entwicklung der Stadt, getragen von Bürgerstolz und dem Wissen um eine lange Vergangenheit, beginnt.
Im Jahre
1969 bildet sich im Zuge der Gebietsreform durch Zusammenschluss mit den Gemeinden Helpup, Währentrup und Lipperreihe die jetzige Stadt Oerlinghausen mit einer Gesamtbevölkerungszahl von über 18.559
im Jahre 1995. Es hat sich eine lebendige und leistungsfähige Stadtgemeinde entwickelt, die für ihre Bewohner einen repräsentablen Freizeitwert und zeitgemäße Kultur- und Sportangebote bereithält.
Eine Reihe von Kultur- u. Sporteinrichtungen sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, wie Europas größter Segelflugplatz, das Archäologische Freilichtmuseum mit seinen musealen Einrichtungen
und museumspädagogischen Kursen, sowie die Ausstellungen des Kunstvereins Oerlinghausen in der ehemaligen Synagoge.
Oerlinghausen ist bestrebt, nicht nur den Bürgern, sondern auch Besuchern und
Urlaubern einen gastlichen Aufenthalt, Anregungen für die Freizeitgestaltung z.B. mit den Angeboten der Stadtbücherei für Gastleser und interessante Erlebnisse zu gewährleisten um das Beste zu
bieten, was die alte und gemütliche Stadt zu geben hat.
Quelle: Homepage der Stadt Oerlinghausen www.oerlinghausen.de
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