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Zu allen Zeiten haben die Menschen untereinander Kriege geführt, die ihnen immer viel Leid und Elend gebracht haben. Vor über dreihundert Jahren (1618 bis
1648) bereitete der furchtbare Dreißigjährige Krieg den Menschen in Deutschland große Not. Er verschonte auch unsere lippische Heimat nicht.
Lemgo und der Dreißigjährige Krieg
Von den lippischen Städten hatte die alte Hansestadt Lemgo am meisten zu leiden, denn sie war nicht nur die größte, sondern auch die reichste Stadt des
Landes. Prächtige Häuser hatten die Bürger sich gebaut, ihre Schränke und Truhen waren gefüllt mit Geld, Schmuck und kostbaren Kleidern. Dieser Reichtum lockte die plündernden Soldaten an. Die Mauern, Tore und Wälle
waren die stärksten des ganzen Landes. Wer hinter diesen Befestigungen saß, fühlte sich sicher und gut geschützt.
Zu Anfang des Krieges befahl der lippische Graf den Lemgoern, sechshundert Soldaten aufzunehmen. Die wollten gut essen und ihren Lohn haben. Dazu mußten
die Bürger durch eine besondere Steuer beitragen. Als die Soldaten nach elf Monaten die Stadt wieder verließen, stellte der Bürgermeister eine Rechnung von 78 000 Talern auf. Für vierhundert Taler konnte man damals
ein schönes Haus kaufen.
Und so ist es beinahe die ganze Kriegszeit über gewesen. Fast immer wurden die Bewohner gezwungen, Soldaten in ihre Wohnungen aufzunehmen sie zu
verpflegen und besondere Steuern zu zahlen, von denen die Soldaten ihren Lohn erhielten. Im Jahre 1632 zog General von Pappenheim mit seinen Reitern vor die Stadt. Am Johannistor empfingen ihn einige Ratsherren. Sie
baten ihn, in die Stadt zu kommen, seine Soldaten aber draußen zu lassen. Er lehnte stolz ab, die Stadt ohne seine Soldaten zu betreten, und erklärte, er wolle noch diesen Tag die Stadt haben oder tot sein. Da
befürchteten die Bürger eine Belagerung und öffneten die Tore. Nach zwei Tagen schon zog Pappenheim wieder ab, nahm aber dafür 8000 Taler und 99 Fuder Roggen mit.
An einem Septembermorgen erstiegen schwedische Soldaten heimlich die Wälle und drangen in die Stadt ein. Zehn Stunden lang zogen sie plündernd von Haus
zu Haus. Einige Bürger, die sich wehrten, wurden erschlagen, andere verwundet. Alle Häuser wurden durchsucht, Geld und Kostbarkeiten geraubt. Kranke wurden aus ihren Betten, Tote aus den Särgen gerissen, weil man
Gold bei ihnen vermutete. Den Bürgern blieb nichts als das nackte Leben. Die Soldaten nahmen das Feuer nicht in acht. So stand bald eine Reihe von Häusern in hellen Flammen, einige wurden auch aus Rache von den
Plünderern angesteckt, weil sie in ihnen keine Beute finden konnten oder weil ihre Bewohner aus Furcht die Stadt verlassen hatten. Solche Plünderungen mussten die Lemgoer noch dreimal im Laufe des Krieges über sich
ergehen lassen. Als der Krieg zu Ende ging, war Lemgo eine verarmte und zum Teil zerstörte Stadt. Vor dem Krieg wohnten in 1057 Häusern 4700 Einwohner, nach dreißig Kriegsjahren beherbergten 590 Häuser noch 1372
Menschen. Als der Rat der Stadt später in einer langen Liste den Schaden zusammenstellte, den der Krieg verursacht hatte, zählte er 1400 000 Taler zusammen. Das ist der zehnte Teil des Schadens, der für das ganze
Land berechnet wurde. Eine ganze Stadt hätte man für dieses Geld bauen können. Der Rat klagte: Die Einwohner sind auf den Tod erschöpft, die Wohlhabenden haben die Stadt verlassen viele Häuser stehen leer, viele
sind verbrannt ' die Felder sind verwüstet, der Wald ist ausgehauen, die zurückgebliebenen Einwohner haben alle Habe verloren, müssen Hunger leiden und wollen lieber sterben als solche Not länger ertragen."
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