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Ein Brief aus Silixen

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"An den Hochgeborenen Grafen und Edlen Herrn Simon, Grafen und Edlen Herrn zur Lippe.

 Hochgeborener Graf, gnädiger Herr, ich elende, trostlose Frau kann aus traurigem Gemüt und hochbetrübtem Herzen klagend nicht verbergen, dass Rittmeister Juritzens Reiter, die vor kurzem hier in Silixen eingefallen sind, Kirchen und Einwohner ausgeplündert und beraubt haben, auch aus Silixen, Laßbecke und Laßbruch an die 50 Pferde mitgenommen haben. Unter den Reitern, gnädiger Herr, ist auch ein Türke gewesen, der Juritt genannt wurde, welcher bei Arndt Schnüllen in Quartier gelegen ist. Er hat mir nicht allein 7 Pferde, 3 Rinder und alle meine und meiner Kinder Kleider und 10 Rheintaler abgenommen, sondern auch meinem lieben Mann Hermann Ties die Pistole in den Nacken gesetzt und durch das Haupt geschossen. Er liegt nun ohne Sprache, und es ist gewiss, dass er sterben muss. Dabei hat es aber der Reiter nicht bewenden lassen. Als meine Tochter Anna Maria, die bei ihrem Vater gestanden hat und aus kindlicher Liebe bei ihm hat bleiben wollen, mit großem Wehklagen geschrieen hat, hat er nach dem Mädchen geschossen. Der Schuss hat gottlob gefehlt. Als ihm das misslungen ist, hat er das Gesicht und den Arm meines Knechtes durch Hauen so verdorben, dass er nicht mehr arbeiten kann!

 Weil uns nun alles abgenommen ist und bei meinem Ehemann leider Gottes keine Besserung zu erwarten ist, spreche ich Euer Gnaden die untertänigste Bitte aus, sich meiner und meiner armen Kinder in Gnaden anzunehmen. Euer Gnaden mögen auch Seine Exzellenz von Tilly oder den Oberst von Lintelo bitten, dass mir meine 7 Pferde, 3 Rinder und das ganze Zeug wiedergegeben wird, und dass der genannte Türke bestraft wird, weil er mich zu einer elenden Witwe und meine Kinder zu Waisen gemacht hat. Der allmächtige Gott wird die Erfüllung meiner Bitte an Euer Gnaden reichlich belohnen.

 Gegeben am 22. Juli 1636, euer Gnaden gehorsame, hochbetrübte, untertänige Anna Catarina, Hermann Ties zu Silixen Hausfrau."

 Viele Opfer hat in diesem Krieg auch die Pest gefordert, eine schlimme, ansteckende Krankheit. Durch die Soldaten, die ja immer unterwegs waren, wurde sie überall hin verschleppt, und es gab keine Hilfe gegen sie. So sind einmal in Salzuflen von den 1400 Einwohnern in einem halben Jahr 454 Menschen an dieser Krankheit gestorben.

 Zu Beginn des Krieges lebten in Lippe ungefähr 40 000 Einwohner. Als die Glocken nach dreißig Jahren den Frieden verkündeten, hörten nur 25 000 hungrige, verarmte und verzweifelte Menschen ihre Botschaft.

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