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Die Velmerstot

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Wir wollen heute einmal die Velmerstot 'besteigen. Von der Silbermühle wandern wir im schönen Silberbachtal hinauf. Der Bach hat im Laufe der Jahrtausende die lose Erde und die kleinen Steine weggespült und sein Bett immer tiefer gefressen. Aber die großen Steine konnte er nicht mitreißen. Sie liegen verstreut im schmalen Tal. Freudig klettern unsere Jungen über die dicken Felsbrocken. Das Wasser des Baches umspült sie und glitzert oft wie Silber. An manchen Stellen rauscht und schäumt es. Unsere Mädchen freuen sich am Spiel des plätschernden Wassers. Wie gern würden die Jungen an den kleinen Wasserfällen Pütchermühlen bauen! Aber dazu haben wir heute keine Zeit, Wir müssen weiter den schmalen Weg hinauf.

 Endlich kommen wir an der Kattenmühle an und sehen die ersten Häuser von Veldrom. Es liegt 350 m hoch und ist das höchste Dorf Lippes. Bald haben wir die kleine Dorfschule (gibt es heute nicht mehr) erreicht. Sie hieß "Heinrich-Schacht-Schule". Heinrich Schacht wirkte vor etwa 100 Jahren als Lehrer in Veldrom. Er hat viele Jahre die Vögel belauscht und darüber ein Buch geschrieben. "Die Vogelwelt des Teutoburger Waldes" heißt es. Seht mal zu, ob ihr das Büchlein in eurer Schillerbücherei entleihen könnt!

Der heutige Lehrer führt uns zu einer kleinen Wetterstation in seiner Garten. Er erzählt:

"Hier habe ich einen Regenmessei Jeden Tag um halb acht Uhr sehe ich nach, wie viel Millimeter Regen i den letzten vierundzwanzig Stunde gefallen sind. Ich trage die Reger menge in ein Tagebuch ein. Am Monatsende zähle ich die Zahlen zusammen und melde das Ergebnis dei Wetteramt Essen. Dort laufen die Meldungen aus dem ganzen Land zusammen.

 Veldrom ist das regenreichste Dorf Lippes. Bei uns fällt in vielen Jahre fast doppelt soviel Regen wie in Bad Salzuflen.

 Die Regenwolken kommen vom Meer. Der Westwind treibt sie über das tiefe, ebene Münsterland. Von der langen Kette des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges werden sie aufgehalten. Sie steigen a den Bergen empor. Dabei kühlen sie ab. Die Wolken bestehen aus feine Wassertröpfchen, die in der Luft schweben. Durch die Abkühlung bilde sich dicke, schwere Tropfen, die als Regen auf die Erde fallen. Im regenreichen Jahr 1961 haben wir 1400 mm Niederschlag gemessen. De sind 1400 Liter auf 1 qm. Im Durchschnitt sind es jährlich 1100 mm. Darum entspringen hier auch so viele kleine Bäche, deren Wasser der Silberbach zur Emmer führt. Stellt euch vor, das Regenwasser wäre nicht abgeflossen, verdunstet oder versickert!
1,40 m hoch hätte das Wasser im Dorf gestanden, allein durch die Niederschläge des Jahres 1961!

 Wenn es im Winter schneit, verwende ich ein anderes Gerät. Das volle Gefäß stelle ich an den Ofen, taue den Schnee auf und messe die Menge des Schmelzwassers. Ich stelle fest, wie viel Zentimeter hoch der Schnee liegt. Auch die Schneehöhe schreibe ich ins Tagebuch. In dem kalten Winter 1963 lag hier so viel Schnee, dass Heidi und Sigrun, die weit vom Dorf entfernt wohnen, tagelang nicht zur Schule kommen konnten Die Hauptstraße musste nach jedem Neuschnee durch einen Schneepflug geräumt werden, sonst wären die Autos steckengeblieben. Aber die Skiläufer aus Detmold, Paderborn und anderen Orten freuten sich. Sie konnten auf den Wiesen am Bauernkamp herrlich Wintersport treiben.

Im Frühjahr dauert es sehr lange, bis der Schnee geschmolzen ist. Unsere Felder steigen bis 440 m an den Hängen hoch. Darum zieht der Frühling bei uns viel später ein als zum Beispiel in Bad Salzuflen, das nur 75 m hoch liegt. Bäume und Büsche blühen hier drei Wochen später als im unteren Werretal. Hier im Schulgarten hängen jetzt noch Stachelbeeren und Johannisbeeren an den Sträuchern, während ihr schon seit Wochen keine mehr habt. Hier kann der Bauer erst pflügen und säen, wenn bei euch die Saat längst wächst. Wir fahren ein, wenn bei euch schon wieder zur Herbstbestellung geackert wird. ja, Bauer sein ist bei uns schwer."

 Mit einem Dank verabschieden wir uns und klettern den steilen Weg zur Velmerstot hinauf. Da oben sind die Fichten und Kiefern verkrüppelt. An der Westseite, von der meist der Wind weht, tragen sie kaum noch Äste. Es ist, als ob die Stürme, die hier oben ihre ganze Kraft entfalten können, die Stämme an der einen Seite kahl geschoren hätten. Vereinzelt nur stehen die Bäume. Der steinige Boden ist mit Bickbeersträuchern und Heidekraut bewachsen. Auf den mächtigen Sandsteinblöcken der höchsten Kuppe, von der unser Blick weit über das Land geht, rasten wir und erholen uns von der Mühe des Aufstiegs.

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Auf der Velmerstot