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In früheren Zeiten haben es die Leute hier oben schwer gehabt. Leicht war die Bauernarbeit nie und nirgends. Aber bei uns war sie besonders
mühevoll. Es gibt hier nur wenige große Höfe, und früher waren sie auch nicht zahlreicher. Besonders anstrengend war die Arbeit auf den Äckern, die am Hang lagen. Auf manchen dieser abfallenden
Felder konnten sich nicht einmal die Pferde halten. Da mussten Ochsen und Kühe vor den Pflug gespannt werden. Ihr wisst, wie gemütlich es bei denen zugeht. Der Frühling zieht bei uns vierzehn Tage
später ein als im lippischen Westen. So wurden unsere Bauern erst spät mit der Frühjahrsbestellung fertig. Der Regen hat im Laufe der Zeit viel fruchtbare Ackerkrume von den Hängen ins Tal
heruntergespült. Ihr könnt an den Feldrändern hin und wieder große Steinhaufen finden, die die Bauern im Laufe der Zeit von ihren Äckern zusammengetragen haben. Man könnte glauben, dass die Steine
hier im Boden wachsen. Soviel wir auch absuchen, es werden nicht weniger. Nach starkem Regen bleibt der Boden noch lange nass und klebrig,
während er anderswo schnell wieder trocknet und krümelig wird.
Ihr werdet verstehen, dass auf solchem Boden nicht so viel wachsen kann wie auf den Feldern der Ebene, die noch dazu viel leichter zu
bestellen sind. Die großen Bauern bei Schötmar ernten viel mehr auf einer Scheffelsaat als wir. So ist früher hier manchmal selbst bei den Bauern Schmalhans Küchenmeister gewesen."
"Heute ist das Leben auf dem Bauernhof aber doch viel leichter geworden, und die Arbeit ist einfacher", meint einer der jungen
Zuhörer.
"Natürlich nehmen die Maschinen uns heute viel Arbeit ab, aber die Felder sind noch immer steinig. An manchen Hängen kann der Trecker
nicht fahren. Da müssen noch die Pferde den Pflug, die Mähmaschine und den Kartoffelroder ziehen. Einige Bauern bestellen die Äcker nicht mehr,' die nicht genug einbringen. Sie forsten sie auf."
"Gab es denn früher keine andere Arbeit hier?" will einer der jungen wissen.
"Kaum"', antwortete Opa Stocksmeier. .In den Dörfern wohnten nur vereinzelt Handwerker. Ein Handwerk zu betreiben war das
besondere Vorrecht der Städter."
"Aber einer konnte doch nur den Hof erben. Was machten denn die anderen Bauernkinder?"
"Denen blieb meistens nichts anderes übrig, als sich als Knechte oder Mägde bei den Bauern zu verdingen, auf Tagelohn zu gehen oder
im Winter als Drescher von Hof zu Hof zu ziehen. Als die Straßen ausgebaut wurden, fanden viele Leute Arbeit in den Steinbrüchen oder als Steineklopfer an den Straßenrändern. Die Bauern fuhren mit
ihren Gespannen die Steine, wenn auf den Feldern nicht viel zu tun war. Bei Gluthitze und Regenschauern saßen die Steineklopfer vor den Steinhaufen und zerschlugen mit einem Hammer die dicken Brocken zu
Schotter. Das war schwere und ungesunde Arbeit, und kärglich war der Lohn."
..Neulich hat mir mein Großvater Briefe aus Amerika gezeigt", wusste ein Mädchen zu berichten. "Die stammen von seinem Onkel,
der als junger Mann nach Amerika ausgewandert ist, weil er hier keine Arbeit fand. "
"Ja, vor hundert Jahren sind viele Menschen von hier über den großen Teich gezogen, um in dem riesigen Amerika ihr Glück zu
versuchen. Es gab dort Bauernland in Überfluss. Da die Lipper vor der Arbeit nicht bange sind und das Geld zusammenhalten können, sind viele dort reiche und angesehene Leute geworden."
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