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Im Wesertal

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Wir sind von Langenholzhausen über den Kirchberg gewandert, und nun gibt der Wald den Blick frei auf ein schönes Landschaftsbild. Vor uns liegt das breite Wesertal, im Hintergrund abgeschlossen durch den Kamm des Wesergebirges. Von links grüßt das Portadenkmal herüber. Durch grüne Wiesen schlängelt sich die Weser; hin und wieder sehen wir sie aufblitzen.

 Wir schauen auf die Dächer des Dorfes Varenholz dicht vor uns. Zwischen hohen Bäumen ragen die Mauern eines alten Schlosses auf.

 Der Name Varenholz ist leicht zu verstehen; er bedeutet "Vorm Holze". Vornholte hieß ein Rittergeschlecht, das vor vielen Jahrhunderten hier in einer Burg wohnte, dicht an einem Steilhang des Weserufers.

 Die Ritter ließen eine eiserne Kette durch den Fluss spannen und sperrten so die Durchfahrt für die Schiffe. Nicht eher ließen sie den Schiffer weiterziehen, bis er tief in den Geldbeutel gefasst und den Zoll bezahlt hatte. Heute hat sich die Weser ein neues Flussbett gesucht und fließt nun eine halbe Stunde Wegs weiter nördlich dahin. Auch die Ritterburg ist nicht mehr da. An ihrer Stelle haben die lippischen Grafen ein prächtiges Schloss mit vielen verzierten steinernen Türmen, Erkern', Giebeln und Portalen erbauen lassen.

 Als kein Mitglied der gräflichen Familie mehr darin wohnte und auch die Amtsleute ausgezogen waren, drohte das Schloss zu zerfallen. Aber dann zog frisches Leben in die alten Mauern ein. Handwerker kamen und richteten die Räume wohnlich ein. Nun wohnen jungen hier und werden unterrichtet. Aus dem alten Schloss ist eine moderne Schule geworden.

 Im Nachbardorf Stemmen gibt es für die wissbegierigen jungen viel zu sehen. Große Bagger haben ein riesiges Loch in den Acker gerissen und holen den Weserkies aus der Erde. In einer kaum vorstellbar langen Zeit hat das Weserwasser die Steine zerkleinert und rund geschliffen. - Der Kies wird nach der Größe sortiert und auf Lastwagen mit Anhängern verladen. Diese bringen ihn weit über das Land zu vielen Baustellen, wo die Maurer ihn mit Wasser und Zement zu Beton mischen.

 Bei Erder, dem dritten lippischen Weserdorf, kommt der Fluss ganz nahe an die Häuser heran. Nach langen und heftigen Regengüssen oder nach einer plötzlichen Schneeschmelze im Vorfrühling kann die sonst so freundliche und harmlose Weser ganz ungemütlich werden. Dann überschwemmen die Wassermassen Felder und Wiesen und dringen wohl auch in die Keller der nahe gelegenen Häuser ein.

 Früher hatte Erder einen Hafen. An der Hafenmauer, die heute noch aus dem Wasser ragt, legten die Schiffe an, die aus Bremen Fracht für die Lipper brachten. In Erder warteten die Fuhrleute auf die Schiffe, luden die Lasten auf ihre Wagen um und beförderten sie weiter in das Land.

 An der alten Mauer legen heute keine Schiffe mehr an. Es ist meist still am Weserufer. Wenn auf der anderen Weserseite in Möllbergen der Zug seine Fahrgäste entlassen hat, stehen oft Leute am Ufer, die in Erder einen Besuch machen wollen. Oder es möchten Arbeiter in ihr Dorf zurück, die drüben in dem neuerbauten großen Elektrizitätswerk gearbeitet haben. Dann holt sie der Fährmann mit seiner Fähre herüber. Ein Drahtseil ist an zwei Masten über den Strom gespannt, an dem das Boot leise rauschend entlang gleitet, vom Druck des Wassers getrieben.

 Kommt einmal an einem schönen Sommerwochenende an die Weser ! Dann herrscht hier ein fröhliches Leben und Treiben. Leichte und schmale Paddelboote wiegen sich in den flachen Wellen. Knatternd brausen Motorboote den Fluss herauf. Manche legen an der Mauer an, fröhliche Menschen steigen aus und machen Rast im alten Fährhaus, wo der Wirt ihnen Speisen und Getränke vorsetzt.

 Einige Boote sind so groß, dass man darin schlafen kann. Es ist herrlich, sich von der Weser in den Schlaf wiegen zu lassen. Die Paddler haben auf einer Wiese ihre Zelte aufgeschlagen. Am Abend sitzen sie im Lampenschein zusammen und singen ihre Lieder.

 Ein kleines, flinkes Boot flitzt über das Wasser. Ein mutiger Junge hat sich ein Paar Wasserskier an die Füße geschnallt und hält sich an einer Leine fest, die ihn mit dem Boot verbindet. Das Wasser spritzt nach allen Seiten. Da hat er für einen Augenblick nicht aufgepasst, und plumps, liegt er im Wasser. Aber er lacht nur darüber, fischt die Skier aus dem Wasser und schwimmt ans Ufer. Unter farbigen Sonnenschirmen sitzen hier die Menschen und freuen sich über das bunte Bild und das Leben und Treiben an der Weser.

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