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In Lage ist die einzige lippische Zuckerfabrik: die Lippe-Weser-Zucker AG.
Auf dem Fabrikhof und in den benachbarten Straßen warten im Herbst oft lange Schlangen von Rübenwagen länger als eine Stunde, bis sie zum
Wiegen auf die Fuhrwerkswaage fahren können. Dann entnimmt man den Rüben eine Probe. Der Rübenprobestecher, ein viereckiges Rohr, wird bis auf den Boden in die Ladung gestoßen. Mit einem Hebelgriff
verschließt der Maschinist den Stecher und fährt ihn zur Seite, wo schon Arbeiter mit Kübeln warten. Der Verschluss öffnet sich, und die Rüben fallen in einen Kübel. Ein Arbeiter fährt die Probe
in die Fabrik. Dort wird gemessen, wie viel Schmutz an den Rüben haftet und wie viel Zucker sie enthalten.
Auf eine ganz einfache Weise entlädt man die Rübenwagen. Ein Arbeiter öffnet die Rückwand des Wagens und hebt die Eisenklappe von einem
Schacht im Boden. Dann schießt aus dem Rohr unter der Decke des Gebäudes in scharfem Strahl Wasser. Im Nu sind die Rüben vom Wagen gespült und durch den Schacht in den Keller unter dem Haus
geschwemmt. Durch eine Rohrleitung werden sie mit einem Wasserstrom über ein hohes Eisengerüst auf den riesigen Rübenberg gepumpt. Von da schwimmen sie in Kanälen in die Fabrik.
Wie wird aus den Rüben Zucker gewonnen?
Ihr kennt doch Rübensirup! Als Brotaufstrich oder im Honigkuchen habt ihr ihn sicher schon gegessen. Als nach dem letzten Kriege in
Deutschland Hungersnot herrschte, haben viele Leute selbst Rübensirup hergestellt. Sie wuschen und schrubbten die Rüben, zerschnitten oder zerstießen sie in kleine Stücke und kochten sie im
Waschkessel. Dabei zog der Zuckersaft aus den Rüben heraus. Dann pressten sie die Rübenstücke in einem Sack aus und kochten den Saft so lange im Waschkessel, bis er zu zähflüssigem, braunem Sirup
wurde.
Gern hätten sie aus dem Sirup auch Zucker bereitet. Aber das konnten sie nicht. Das kann nur die Zuckerfabrik. Auch sie gewinnt aus den
Rüben zunächst Sirup, in dem lauter kleine Zuckerkörnchen schwimmen. Diese Körnchen werden in einer Zentrifuge aus dem Sirup herausgeschleudert.
So bekommt die Fabrik den gelbbraunen Rohzucker. Er muss noch gereinigt und gebleicht werden, damit er seine schneeweiße Farbe erhält.
Aus jedem Zentner Zuckerrüben erzeugt die Fabrik ungefähr fünfzehn bis achtzehn Pfund Zucker. Täglich werden 1800 Tonnen (1967) Rüben
verarbeitet. Wenn die ganze Menge zur gleichen Stunde auf einer einzigen Straße mit Lastwagen angefahren würde, so entstände eine Autoschlange von 3 km Länge. Wenn wir Lipper den jährlich erzeugten
Zucke~ allein verbrauchen wollten, müsste jeder von uns Tag für Tag beinahe ein halbes Pfund essen. Aber die Rüben kommen ja nicht alle auf einmal. Sie werden auch nicht alle auf der Straße
herangeschafft. Eine ganze Menge bringt die Eisenbahn von den Bahnhöfen in den Kreisen Herford, Bünde, Lübbecke, Osnabrück, Minden, Bielefeld, Wiedenbrück, Höxter und Rinteln. Und der Zucker wird
nicht nur in lippischen Geschäften verkauft, sondern auch außerhalb unseres Landes.
Warum wurde die Zuckerfabrik gerade in Lage errichtet?
Die Zuckerfabrik wurde im Jahre 1884 von lippischen Bauern gegründet. Sie hatten gehört, dass man mit dem Anbau der Zuckerrübe viel
verdienen konnte, freilich nur dann, wenn man Ackerland besaß, auf dem Rüben gut wuchsen. Solche Zuckerrübenböden fanden sich in der Hauptsache im lippischen Flachhügelland. Auch durfte der Weg zur
Fabrik nicht zu weit sein. Man musste die Rüben gleich vom Felde mit Pferdewagen zur Fabrik fahren können. Dann ersparte man sich das mühsame Umladen auf Eisenbahnwagen und die Bahnfracht.
Zieht auf eurer Lippekarte um Lage im Abstand von 10 km einen Kreis! Er umschließt fast das ganze lippische Flachhügelland. Alle Bauern,
die innerhalb dieses Kreises wohnten, konnten mit ihren Pferdewagen Lage in wenigen Stunden erreichen. Und nun betrachtet die Straßenkarte! Ist Lage nicht die Spinne mitten in dem dichten Netz der Wege
des Flachhügellandes? In Lage kreuzen sich zudem die beiden wichtigsten lippischen Eisenbahnlinien, die Strecken Altenbeken-Herford und Bielefeld-Hameln.
Kein Ort lag für die Errichtung der Zuckerfabrik so günstig wie Lage. Man erbaute sie an der Detmolder Straße, ganz nahe an der Bahn.
Durch ein Anschlussgleis wurde sie mit dem Güterbahnhof verbunden.
Auch andere Betriebe haben sich die günstige Verkehrslage der Stadt Lage zunutze gemacht. In der Nähe der Bahn entstanden Möbel- und
Textilfabriken, ein Kraftfutterwerk ("Nagut") und Betriebe für Fahrzeugteile. Lage ist eine richtige Industriestadt geworden. In hundertfünfzig Jahren stieg die Einwohnerzahl von 900 auf 13
000. Tausend Studenten besuchen die Ingenieur- und Bauschule, um Ingenieure, Techniker und Baumeister zu werden.
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