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Oerlinghauser Weber und Näherinnen

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Die Oerlinghauser Weber

 Als unsere Heimat das Leineweberland genannt wurde, klapperten auch in Oerlinghausen und seiner Umgebung viele Webstühle. Die Oerlinghauser Weber webten ein besonders feines Leinen, das sogar in fernen Ländern, wie Italien und Rußland, gern gekauft wurde. Als die Webmaschinen erfunden wurden', kamen für die Oerlinghauser Handweber schlechte Zeiten.

 Das änderte sich, als um das Jahr 1900 die Firma Carl Weber & Co eine Fabrik baute. Da schafften die Handweber ihre Webstühle ab und wurden Maschinenweber in der Fabrik, weil sie dort mehr Geld verdienten. Die Weberei fand in den ehemaligen Handwebern zuverlässige und geschickte Arbeiter. Heute beschäftigt die Firma Carl Weber & Co in mehreren Betrieben über tausend Menschen. Sie stellen hauptsächlich Wäsche für die Aussteuer her: Bett- und Kissenbezüge, Bettlaken, Handtücher, Taschentücher, weiße und farbige Tischdecken.

 Die Oerlinghauser Näherinnen

 In Oerlinghausen kannte ihn jedermann, den alten Philipp Kaldeweier mit seinem Hundegespann. Wenn er abends müde mit dem Hundewagen von Bielefeld kam, dann warteten schon die Näherinnen vor seinem alten Fachwerkhaus, um ihren "Pucken" abzuholen.

 Philipp brachte ihnen wieder Arbeit.

 Damals, vor siebzig Jahren, wohnten in Oerlinghausen nämlich viele Heimnäherinnen. Sie nähten Oberhemden für Bielefelder Geschäfte. Kaldeweier fuhr den 13 km langen Weg nach Bielefeld, holte die zugeschnittenen Stoffe und brachte die fertigen Oberhemden zurück. Später, als die Zahl der Näherinnen zunahm und immer mehr Hemden genäht wurden, schaffte er sich Pferd und Wagen an. Als Philipp alt war, übernahm sein Neffe Fritz Wendt das Fuhrwerk.

 Groß war die Freude, wenn er den Näherinnen den Lohn in blanken Gold- und Silberstücken mitbrachte. Das Geld war sauer verdient, denn das Nähen war keine leichte Arbeit. Elektrische Nähmaschinen waren noch unbekannt. Wenn die Näherin von früh bis spät an der-. Maschine gegessen hatte, taten ihr abends die Beine weh, besonders in der eiligen Zeit vor Weihnachten, wenn im Schein der Petroleumlampe die Nähmaschinen schon von fünf Uhr an surrten. Manche Näherinnen nähten an einem Tag ein Dutzend Hemden. Als Lohn bekamen sie dafür ungefähr 3 Mark. Das war nicht viel.

 Und doch waren die Näherinnen mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie konnten ja daheim bleiben bei ihrer Familie. Die Frauen verrichteten nebenher ihre Hausarbeit. Sie beaufsichtigten ihre kleinen Kinder, die jungen, die in einer Ecke der Nähstube auf dem Fußboden saßen und aus leeren. Garnrollen Wagen bauten, und die Mädchen, die aus Stoffresten Puppenkleider nähten. Sie halfen den großen Kindern bei den Schularbeiten. Die großen Mädchen aber, die schon aus der Schule entlassen waren, halfen der Mutter nähen. Die Familien hatten damals noch viele Kinder, und so kam es, daß kaum eine Näherin allein arbeitete. Darum wurde beim Nähen viel erzählt und gesungen. Lieschen und Lina Ulrich sangen besonders schön. Wenn sie bei warmem Wetter das Fenster geöffnet hatten, blieben die Leute oft auf der Straße stehen, um dem Gesang zu lauschen.

 Heute gehen die Frauen und Mädchen in eine Fabrik und nähen dort die Oberhemden. Da sitzen sie in einem großen Saal an langen Reihen elektrischer Nähmaschinen. An der Zuschneidemaschine werden die Stoffe für viele Hemden auf einmal zugeschnitten. Auf kleinen Wagen schiebt man die zugeschnittenen Teile zu den Arbeitstischen der Näherinnen. Eine Näherin näht heute nicht mehr das ganze Oberhemd. Manche Frauen nähen den ganzen Tag nur Ärmel, andere setzen sie ein. Einige bedienen die Maschinen, die die Knopflöcher in die Hemden schlagen und säumen. Andere arbeiten gleichzeitig an zwei Maschinen, die Knöpfe annähen.

 Die Arbeit bringt keine Abwechslung. Wo so viele Maschinen surren, kann man nicht singen oder sich etwas erzählen. Die Näherinnen sehen kaum von der Arbeit auf, nur selten erheben sie sich einmal von ihren Sitzen. Solche Arbeit macht müde. Darum ist es gut, dass sie nur achteinhalb Stunden am Tag arbeiten, den Sonnabend frei haben und jährlich einige Wochen Ferien bekommen.

 In anderen Fabriken werden Nachthemden, Kittel, Blusen und Kleider genäht. Ein Betrieb stellt Knaben- und Herrenanzüge her. Früher in der Heimarbeit und heute in den Fabriken haben Frauen und Mädchen durch ihren Fleiß so viel Geld verdient, dass viele ihren Familien helfen konnten, sich ein eigenes Haus zu bauen.

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