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In einer Polstermöbelfabrik

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Wie die Fabrik entstand

Fünfundvierzig Jahre hat Gerhards Grogvater in derselben Lemgoer Polstermöbelfabrik gearbeitet. Gleich nach seiner Tischlerlehre hat er in dem Betrieb angefangen. Gern erzählt er von den Zeiten, die nun schon lange zurückliegen.

 "Wo sich heute das Industrieviertel ausbreitet mit seinen vielen Fabriken, mit den hohen, qualmenden Schornsteinen und den belebten Asphaltstraßen, lagen damals die Felder und Wiesen unserer Ackerbürger. Auf den einsamen, holprigen Feldwegen traf man gelegentlich einen Bauern, der mit seinem Pflug zum Acker zog, oder eine Kuhherde, die zur Weide trottete.

 Dort baute vor über einem halben Jahrhundert der Vater des heutigen Fabrikbesitzers eine kleine Werkstatt, eine Möbelbude, wie wir damals sagten. Mit wenigen Arbeitern fing er an. Ein paar Hobelbänke, Sägen und Schleifmaschinen waren die ganze Einrichtung. Wir bauten Gestelle für Sofas und Polstersessel. War ein Gestell fertig, so packten wir es auf einen Handwagen. Zusammen mit einem Arbeitsjungen zog es der Meister selber zum Polsterer in die Stadt. Der polsterte es und verkaufte es an die Bürger. Wenn alle Hände in der Fabrik gebraucht wurden, spannte sich die junge Meisterfrau mit vor den Wagen.

 Unsere Polstergestelle waren gut. Das sprach sich im Lipperland bald herum. Da kamen auch von außerhalb die ersten Bestellungen. Waren die Kunden mit der Eisenbahn zu erreichen, so fuhren wir die Gestelle zum nahen Bahnhof und verluden sie in Güterwagen. Fuhrleute waren mit ihren Pferdegespannen oft lange unterwegs, um sie den anderen Bestellern zu bringen.

 So ging es vorwärts, trotz des vierjährigen ersten Weltkrieges. Der Meister musste die Werkstatt vergrößern. Er ließ eine lange Halle errichten und darin immer mehr und immer bessere Maschinen aufstellen. Ständig wuchs die Zahl der Arbeiter. Für die fertigen Gestelle wurde ein Lagerhaus gebaut. Aus der kleinen Werkstatt entstand eine Fabrik.

 Wir bauten so viele Gestelle, dass wir sie in der Umgegend nicht alle verkaufen konnten. Da ließ der Fabrikant viele hundert bebilderte Kataloge drucken und verschickte sie an die Polstermeister im weiten deutschen Land. Vertreter reisten von Ort zu Ort und verkauften unsere Sessel und Sofas. Auf großen Ausstellungen zeigten wir unsere Muster.

 Der Erfolg blieb nicht aus. In Berlin, Hamburg, München, Breslau und anderen Städten mussten wir Lager- und Ausstellungsräume mieten. Selbst ins Ausland, sogar bis in das ferne Südafrika, gingen unsere Möbel.

 So musste die Fabrik ständig erweitert werden. Heute, das wisst ihr ja, bedeckt sie ein Gelände, das viel größer ist als ein Sportplatz. Fünfhundert Menschen arbeiten dort."

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Holzlager einer Möbelfabrik

An der Fräsmachine