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Schon lange möchte Gerhard einmal die Fabrik und Vaters Arbeitsplatz kennen lernen. Eines Tages ist dazu Gelegenheit. Vater kann wegen eines entzĂŒndeten
Armes nicht arbeiten. Er hat im Betrieb etwas auszurichten und nimmt seinen jungen mit.
Ein Lastwagen, der mit dicken BaumstÀmmen beladen ist, fÀhrt auf den Hof. Polternd rollen die schweren StÀmme auf die Erde. Ein Kran fasst einen der
BÀume und hebt ihn, als ob er ein leichtes Spielzeug wÀre, auf einen niedrigen Karren. Auf diesem Karren rollt er zum Gatter, dem SÀgewerk. Kreischend fressen sich mehrere dicht nebeneinanderstehende SÀgen in
den Stamm und zerschneiden ihn in Bretter. Die Bretter werden auf dem Holzplatz zum Trocknen gestapelt. Staunend geht Gerhard durch die langen Reihen der hohen Bretterstapel. So groĂ ist das Holzlager, daĂ man
sich beinahe darin verlaufen kann. Woher all das Holz kommt, möchte Gerhard gern wissen, und sein Vater erklÀrt es ihm.
Die meisten Bretter standen einst als BuchenstÀmme in den WÀldern des Weserberglandes. Auch das Birken-, Kirschen- und Ahornholz stammt aus
Deutschland. Andere Holzarten aber kommen von weit her aus fremden LĂ€ndern. So lagern in einer Reihe Limba- und Mahagonihölzer aus den UrwĂ€ldern des fernen Afrika und Nussbaumholz aus der TĂŒrkei und aus
Frankreich.
Abseits von den Fabrikhallen steht ein einzelnes Haus. Durch die geöffnete TĂŒr erblickt Gerhard die groĂe Dampfmaschine. Ihr unersĂ€ttliches Maul wird mit
HolzabfĂ€llen und SĂ€gespĂ€nen gefĂŒttert. Sie treibt die Dynamomaschine an, die den elektrischen Strom fĂŒr die Fabrik erzeugt.
Nun ist Gerhard aber neugierig, wie es in den Hallen aussieht. Sein Vater zeigt ihm, wie aus einem Brett die Armlehne eines Sessels entsteht.
Ein Arbeiter zeichnet ihren Umriss mit einer Schablone auf ein Brett. Dann wandert das Brett von Maschine zu Maschine. Zuerst wird die Lehne grob
ausgesĂ€gt. Darauf erhĂ€lt sie die elegante Form. In einer anderen Maschine werden die Rundungen ausgeschliffen. Schön gleichmĂ€Ăig glatt muss sie sein; das erfordert eine besonders sorgfĂ€ltige Arbeit. An beiden
Enden fressen flinke Bohrer kleine Löcher in das Holz. In diese Löcher werden mit groĂem Druck runde Zapfen getrieben. Sie sollen die Lehne mit den anderen Teilen des Sessels verbinden.
Ganz wirr wird es Gerhard im Kopf von dem Surren der Motoren und RĂ€der und vom Kreischen der Bohrer und SĂ€gen. Gerhard spĂŒrt den Staub auf der Zunge
und im Halse. Ab und zu muss er husten. "Hier könnte ich es nicht den ganzen Tag aushalten", denkt er beklommen.
An einer der Maschinen steht sonst sein Vater. Seine Arbeit muss von einem Arbeitskameraden getan werden, der eigentlich einen anderen Platz hat. Da
merkt Gerhard, was es bedeutet, wenn ein Arbeiter fehlt.
Auf kleinen Wagen werden die Lehnen von einer Maschine zur anderen gerollt. Die MĂ€nner sehen kaum auf von ihrer Arbeit. Nur selten sprechen sie
miteinander. Wenn einer von ihnen einmal eine Pause einlegt, sich ein wenig hinsetzt oder zu langsam arbeitet, hĂ€ufen sich auf seinem Platz die Lehnen. Dann mĂŒssen die anderen warten, und es geht im Betrieb nicht
recht weiter.
Gerhard hÀlt eine fertige Lehne in der Hand und möchte gern wissen, was weiter mit ihr geschieht. Das kann er im nÀchsten Raum sehen, wo aus allen
Hallen die einzelnen Teile zusammenkommen, die zu einem Sessel gehören. Flinke HÀnde leimen sie zusammen, und nun sieht Gerhard das fertige Gestell. Beize und Politur geben ihm Farbe und Glanz und bringen die
Schönheit der Form und die Maserung recht zur Geltung.
In der Polsterei ist von LĂ€rm und Staub nicht viel zu spĂŒren. Spiralfedern werden unter die Sitze geklemmt. Auf die SitzflĂ€chen legen die Arbeiter
weiche Schaumgummipolster. Dann spannen sie bunten und festen Bezugstoff ĂŒber die Polster und nageln ihn mit dickköpfigen NĂ€geln am Holz fest.
Einen Blick wirft Gerhard noch in den Ausstellungsraum. Da staunt er. Dass so viele Arten von Sesseln und Sofas gebaut werden, hÀtte er nicht gedacht.
Die KĂ€ufer, MöbelhĂ€ndler von nah und fern, können sich hier aussuchen, was sie haben möchten. GroĂe gepolsterte Möbelwagen mit AnhĂ€ngern bringen die Polstermöbel in viele Orte Deutschlands, andere
befördert die Bahn. Vor den groĂen Schaufenstern in den StĂ€dten stehen dann die Leute und suchen sich die Möbel fĂŒr ihre Wohnung aus.
Mit Gerhard verlassen zum Feierabend viele hundert Menschen, die in BĂŒros und Werkhallen ihr Tagewerk getan haben, die groĂe Fabrik. Nur ein
NachtwĂ€chter bleibt zurĂŒck, der mit seinem SchĂ€ferhund in stĂŒndlichen RundgĂ€ngen das Werk bewacht.
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