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Was mag die mächtige Wolke bedeuten, die sich inmitten des mauerumschlossenen Städtchens gegen den Himmel erhebt? Steht ein Wohnhaus in Flammen?
Brennen gar mehrere? Oder ist vielleicht gar kein Unglück geschehen? (Siehe Bild 23.)
Seit undenklichen Zeiten ist dort, wo der Dampf aufsteigt, eine Salzquelle. Salziges Wasser, Sole genannt, kommt aus der Erde. 1300 m unter
der Erdoberfläche liegt seit Millionen von Jahren ein riesiger Berg von Salz. Das Grundwasser fließt hindurch und wird salzig. Das Gewicht des Gesteins über dem Salzlager drückt es durch Spalten und
Risse an die Erdoberfläche.
Salz war früher ein wertvolles Gut, kostete doch ein Fuder Salz 25 rheinische Taler (1770). Wenn es gelang, aus der Sole Salz zu gewinnen,
konnte man viel Geld verdienen.
Aufgabe: In einem Kochtopf stellen wir Sole her, indem wir in einem halben Liter Wasser eine Handvoll Salz
auflösen. Dann kochen wir die Lösung längere Zeit. Dabei wird das Wasser immer weniger; es v e r d a m p f t. Wenn fast alles Wasser zu Dampf geworden ist, sehen wir, wie sich plötzlich in der Sole
kleine weiße Salzkörnchen bilden. Es werden immer mehr, und zuletzt, wenn das ganze Wasser verdampft ist, haben wir das Salz wieder, wie wir es in den Topf geschüttet haben. Es ist nicht mit verdampft,
So ähnlich haben früher auch die Salzufler Salzsieder in ihrem Salzwerk auf dem Salzhof aus der Quelle das Salz gewonnen. Der alte Salzhof
freilich ist nicht mehr zu sehen. Er ist vor mehr als achtzig Jahren abgerissen worden. Auf dem Salzhofplatz hat man das Brunnendenkmal errichtet. In Stein gemeißelte Bilder schmücken seine Wände. Sie
zeigen uns, wie es früher auf dem Salzhof ausgesehen hat.
Die Zöger ziehen an dem schweren Schwengel den hölzernen Schöpfeimer hoch. Ein Mann kippt ihn um, und die Sole ergießt sich in einen
Holztrog. Von diesem Trog aus wird sie auf die Zuleitungen zu den zwölf Salzkotten verteilt. So nannte man damals die kleinen Fachwerkhäuser rings um die Quelle, in denen die Salzsieder in großen
Bleipfannen über mächtigen Holzfeuern die Sole kochten, dass der Dampf, wie es das Bild zeigt, in dicken Wolken zum Himmel stieg.
Mehr als tausend Fuder Holz aus den Wäldern am Obernberg, am Vierenberg und "aus der Wüste", dem heutigen Wüsten, wurden in
späterer Zeit, als die Salzgewinnung ganz auf den Salzhof verlegt war, jährlich verfeuert. Das Holz kostete viel Geld, und die Wälder lichteten sich. Konnte man nicht Holz sparen?
Aufgabe: Wir lassen Salzwasser einige Tage in einer flachen
Schale stehen. Das Wasser wird immer weniger. Es verdunstet. Wenn wir den Rest der Sole verdampfen, gewinnen wir das Salz sehr schnell. Wir brauchen auch nur wenig Wärme dazu.
"Wenn ich einen Teil der Sole verdunsten lasse, kann ich das Salz
viel schneller und billiger gewinnen", sagte sich vor zweihundert Jahren auch der Leiter des Salzufler Salzwerks. Wie schon andere vor ihm ließ er zwischen hohen Balkengerüsten riesige Hecken aus
abgeschlagenem Schwarzdorn errichten und darauf die Sole pumpen. Sie tropfte zwischen den Dornen langsam herab. An der Luft verdunstete ein Teil des Wassers. Unter der Hecke wurde die
Sole in einer breiten Holzrinne wieder aufgefangen und nochmals über die Dornenhecke geleitet. Aus 100 Liter dieser Sole gewann man 30 kg Salz; wenn das Salzwasser aus der Erde quillt, enthält die
gleiche Menge nur 6 kg. Soviel salzhaltiger war die Sole geworden. Sie hatte mehr Grade gewonnen, wie die Salzsieder sagten, und darum nannte man die Dornenhecken Gradierwerke.
Salzuflen versorgte früher nicht nur das Land Lippe mit Salz. Die Salzkärrner brachten es unter dem Schutz von Soldaten auf ihren mit
Planen bedeckten Karren bis an die Weser, bis nach Osnabrück, Bielefeld und Paderborn, sogar bis nach Holland.
Das Salz hat die Salzufler reich gemacht. So konnten sie sich prunkvolle Häuser bauen. Einige von ihnen sind noch heute erhalten.
Sie gelten als die schönsten Bürgerhäuser des Lipperlandes.
Seit dem Ende des letzten Krieges hat man die Salzgewinnung eingestellt. Doch die Gradierwerke sind geblieben. Noch immer
tropft in ihren Wänden das Salzwasser. Sie werden wegen der Kurgäste erhalten. Diese sitzen oder wandeln in der Nähe der Gradierwerke und atmen die von den Dornenhecken ausströmende
salzhaltige und heilende Luft.
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