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Wie ein Schwalbennest an eine Mauer oder an einen Balken, so schmiegt sich das Städtchen an den steilen Hang des Burgberges. Dicht beieinander
liegen zwischen grünen Baumkronen die alten Fachwerkhäuser mit ihren hochragenden Giebeln. Die steilen Dächer sind vielfach noch mit roten Sandsteinplatten aus dem Solling gedeckt. Wir finden in
Schwalenberg keine so prunkvollen Bürgerhäuser wie in Salzuflen oder Lemgo. Aber die bescheidenen Ackerbürgerhäuser mit ihrem schwarzen oder rotbraunen Balkenwerk bieten dennoch ein malerisches Bild.
Kein Ort unseres Landes ist deshalb so oft gemalt worden wie Schwalenberg.
Das vierhundertjährige Rathaus ist der ganze Stolz der Schwalenberger. Das Erdgeschoss bildete ursprünglich eine offene Halle. Die hölzernen
Bögen sind erst später zugemauert worden. In der Halle wurde der Markt abgehalten. Im Bürgersaal des oberen Stockwerks versammelten sich die Ratsherren zu ihren Beratungen.
An der Giebelseite des Rathauses findet ihr kaum einen Balken, der nicht überreich bedeckt ist mit buntbemalten geschnitzten Verzierungen,
Wappen, Bildern, Inschriften und plattdeutschen Sprüchen.
Alles ist eng in Schwalenberg. So nahe sind die Häuser oft an den Berghang gebaut, dass kein Hofraum mehr übrigbleibt. Ackerwagen und Ackergeräte
stehen an den Straßen. Auch die sauber aufgeschichteten Misthaufen haben dort Platz finden müssen. Nicht einmal für das Brennholz aus dem nahen Wald ist Raum genug. In kunstvoll gebauten Finnen trocknet
es, Haufen an Haufen, den Sommer über draußen vor der Stadt in Sonne und Wind an den Wegrändern. So dicht stehen stellenweise die Häuser nebeneinander, dass kaum noch ein Lichtstrahl durch die Fenster an
den Seitenwänden die Räume erhellen kann.
Warum mögen wohl gerade hier die Menschen vor langer, langer Zeit ihre Wohnungen gebaut haben?
Vor siebenhundert Jahren herrschten im lippischen Südosten und über die benachbarten Gebiete mächtige Grafen. Als Wappen führten sie in ihrem
Schild einen goldenen Stern und eine schwarze Schwalbe. Einer von ihnen, Volkwin, hat um das Jahr 1230 die Burg Schwalenberg erbaut. Der Graf wohnte dort oben nicht allein mit seiner Familie. Da waren
viele Menschen, die ihm dienten: Ritter, Wächter, Förster, Knechte, Schmiede, Sattler. Die Räume der Burg konnten nicht alle beherbergen. Und doch wollten sie möglichst nahe bei der Burg wohnen. Die
langgestreckte, schmale Bodenstufe unterhalb der Burg, wo schon die Kirche stand, war als Baugelände am besten geeignet. Der Raum war so knapp, daß die Häuser eng nebeneinander errichtet werden, mussten.
Andere Bewohner kamen nach und nach dazu: der Müller, die Lohgerber, Schuhmacher, Schneider, Bäcker, Zimmerleute, Bierbrauer. Sogar Bauern aus der Nachbarschaft verlegten ihre Hof-stätten nach
Schwalenberg. Wenn auch die Wege zu ihren Feldern jetzt weiter waren, sie brauchten vor Überfällen wenigstens keine Angst mehr zu haben. Denn oft führten die Ritter Fehden gegeneinander, plünderten
Dörfer und Einzelhöfe und brannten sie nieder. Darum pflanzten die Schwalenberger eine breite Dornenhecke um ihren Ort und sperrten die Zugänge durch feste Holztore, In Kriegszeiten flüchteten die Bürger
hinter die dicken Mauern der Burg. Das Vieh trieben sie in den geräumigen Burghof.
Überreste der Mauern könnt ihr auf dem Burgberg noch heute sehen; die jetzigen Gebäude stammen aus späteren Zeiten.
Warum gibt es in Schwalenberg keine Industrie?
Als noch keine Autos über die Straßen fuhren und das elektrische Leitungsnetz noch nicht in die entlegenen Teile unseres Landes reichte, konnten
in Schwalenberg keine Fabriken gegründet werden, denn es liegt zu weit entfernt von der Bahnlinie. Messt die Entfernung nach Schieder und Steinheim!
So blieb früher vielen Schwalenbergern nichts anderes übrig, als fortzuziehen. Darum ist die Einwohnerzahl der Stadt von 1807 bis 1939 nur
von 718 auf 922 gestiegen. Heute beträgt sie 1573. Neue Häuser entstehen außerhalb des Städtchens. Auch die Industrie hat jetzt ihren Einzug gehalten. Die Kanalreinigung, Betriebe für
Kanalreinigungsgeräte und Möbelwerkstätten geben Schwalenberger Bürgern und Bewohnern der Nachbarorte Arbeit und Verdienst.
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