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Lippe, das Leineweberländchen

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Vor hundertfünfzig Jahren schrieb einmal ein bremischer Kaufmann auf einen Briefumschlag: An die Fürstin des Leineweberländchens. Dieser Brief ist richtig in Detmold angekommen. Als Land der Leineweber war Lippe überall bekannt.

 Warum ist Lippe ein Leineweberland geworden?

In unseren Städten wohnten früher nicht nur Kaufleute und Handwerksmeister, auf dem Lande nicht nur große Bauern. Es gab auch kleine Leute, die kein Geschäft oder kein Ackerland hatten. Wovon sollten sie leben? Es konnte ja nicht jeder als Handwerksgeselle oder als Knecht oder Tagelöhner auf den Höfen sein Brot verdienen. Da haben sich diese Menschen für zwei Taler ein Spinnrad gekauft und sind Berufsspinner geworden. Den Flachs kauften sie auf den großen Höfen, die mehr Flachs ernteten, als sie für sich selbst brauchten. Das fertige Garn verkauften sie an die Weber. Einen Webstuhl freilich konnte sich nicht jeder leisten; er kostete 10 Taler. Darum war die Zahl der Weber kleiner als die der Spinner. Im Jahre 1790 gab es in Lippe 9000 Gewerbetreibende. Das waren Leute, die ein Handwerk betrieben oder einen Kaufmannsladen besaßen. Von diesen 9000 Menschen waren 3800 Spinner und 1700 Weber. Auf den Bauernhöfen klapperten noch weitere 1500 Webstühle.

 So wurde viel mehr Leinwand hergestellt, als im Lande selbst gebraucht wurde. Die Weber packten ihre Leinwand in Kiepen und trugen sie zum Verkauf nach Lemgo, Detmold, Horn, Blomberg oder Oerlinghausen. Dort mussten sie ihre Ware dem Leggemeister vorlegen. Der prüfte ihre Güte und maß die Länge nach. Nur geprüftes Leinen durften die Weber an die Kaufleute verkaufen. Lippische Kaufleute, hauptsächlich aus Lemgo, brachten die Leinwand zu Lande auf die großen Märkte und Messen in Frankfurt, Leipzig, Amsterdam, Paris und Madrid und zu Wasser in die Hafenstadt Bremen. Von dort gelangte sie in alle Teile der Welt, nach England, Schweden, Rußland, sogar in das ferne Amerika.

 Heute ist Lippe kein Leineweberland mehr. In England wurden um 1800 Spinn- und Webmaschinen erfunden. Eine Webmaschine schaffte an einem Tag mehr als ein Handweber in einer Woche. Dadurch wurde das Leinen billiger. Unsere lippischen Weber mussten das Leinen zu einem so niedrigen Preis verkaufen, dass sie von dem Lohn nicht mehr leben konnten. Armut und Not kehrten in unser Land ein.

 Das gleiche Schicksal erlitten die Weber auch in anderen Teilen Deutschlands, vor allem in Schlesien.

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