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Am Montagnachmittag wurde Mist gefahren. Niedermeier sah zu. Rudolf saß auf dem Sitz des kleinen Treckers. Dieser Schlepper war mit einem Frontlader
ausgerüstet. Mit geübten Griffen senkte Rudolf den Greifer, bis seine starken Eisenzinken sich in den festgetrampelten Mist bohrten. Der Greifer hob die Last hoch in die Luft. Durch eine Wendung des Schleppers
schwenkte ihn Rudolf über die Ladefläche des Miststreuers. Dort senkte er ihn, und der Mist stürzte auf den Wagen. In wenigen Minuten war die Fuhre beladen. "Du solltest Baggerführer werden", lobte
Niedermeier den jungen Mann und schwang sich auf den großen Trecker zu Vater Wienecke. In rascher Fahrt ging es zum Feld. Dort rückte Wienecke an einem Hebel, und langsam schoben eiserne Stangen auf dem Boden des
Miststreuers die Ladung nach hinten zwischen zwei sich rasselnd drehende Walzen. Die starken Zinken der Walzen zerfetzten den Mist zu kleinen Stückchen und schleuderten ihn meterweit durch die Luft, dass er in
einer gleichmäßigen Schicht auf den Acker niederfiel, In fünf Minuten war das Fuder abgeladen. "So gleichmäßig streute nicht einmal deine Mutter", sagte Wienecke auf dem Heimweg zum Hof, wo Rudolf
inzwischen den zweiten Miststreuer belud, den Wienecke sich von seinem Nachbarn geliehen hatte. "Oft stand sie den ganzen Tag in Wind und Regen auf dem Acker, in einer alten Männerjoppe, die Füße in
Holzschuhen, einen Sack als Kapuze über dem Kopf. Sieben Fuder streute sie an einem Nachmittag. Das machte ihr keiner nach. Mit dem Frontlader und den beiden Miststreuern bringen wir es heute Nachmittag auf zwanzig
bis fünfundzwanzig Fuder, dreimal soviel wie sechs Arbeiter mit der Mistgabel in der Hand schaffen. Dabei sitzen wir trocken und warm unter dem Dach des Treckers, und der Rücken und die Arme tun uns heute Abend
nicht weh. Aber Rudolf wird froh sein, wenn er Feierabend hat. Er muss immer scharf aufpassen. Das strengt an!"
In den nächsten Tagen zeigte Wienecke dem Freund noch viele Geräte und Maschinen, die dein Bauern die Arbeit erleichtern und Zeit ersparen. "Ohne
die Maschinen würden wir nicht fertig", sagte er. "Alle Ersparnisse der letzten Jahre habe ich für Maschinen ausgegeben. Allein der große Trecker mit dem Anbaupflug hat 20000 DM gekostet. Aber er lohnt
sich wenigstens, weil ich mit ihm über 800 Stunden im Jahre arbeite. Viele teure Maschinen aber stehen fast das ganze Jahr unbenutzt in den Ecken, weil wir sie nur an wenigen Tagen verwenden, z. B, der Heuwender
und der Kartoffelroder. Aber notwendig sind auch sie."
"Dein Hof ist 40 ha groß. Du hast gutes Land. Deine Wirtschaft bringt etwas ein. Du kannst alles Notwendige anschaffen. Was aber machen die
Kleinbauern?" fragte Niedermeier. '
"Den Kleinbauern geht es schlecht", entgegnete Wienecke. "Manche machen es wie Fritz Rose. Der hat die Landwirtschaft aufgegeben und
seine 20 Scheffelsaat an seinen Nachbarn Deppe verpachtet. Mit den zugepachteten Feldern hat Deppe jetzt so viel Land, dass sich sein Betrieb noch lohnt. Rose ist Fernfahrer geworden. Andere haben Arbeit in einer
Fabrik oder auf einer Baustelle angenommen. Die Felder bestellen sie nach Feierabend. Ihre Frauen haben es schwer. Ihnen bleibt ein großer Teil der Arbeit. Die Kinder kehren der Landwirtschaft gewöhnlich den
Rücken. Sie erlernen andere Berufe."
Aufgaben:
1. Mit der Sense können 3 Männer und 6 Frauen in einer Stunde eine Scheffelsaat mähen, die Garben binden und aufrichten. Wie viel Tage (1 Arbeitstag
= 8 Stunden) würden diese 9 Arbeiter und Arbeiterinnen brauchen, um Wieneckes Wezenfeld abzuernten?
2. Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Lippe.
Kleinbetr. Mittelbetr. Großbetr.
Jahr bis 7,5 ha 7,5-50 ha über 50 ha
1949 9553 1918 154
1960 5890 2225 161
3. Viehzählung
Jahr Pferde Ziegen Rinder Schweine
1939 9710 23272 41110 138506
1961 4374 5021 51785 139703
4. Von mehr als 100 000 Arbeitnehmern waren 1962 fast 4000 Landarbeiter und Landarbeiterinnen. Vor 10 Jahren war ihre Zahl noch mehr als doppelt
so groß.
Erkläre die Veränderungen!
5. In den Dörfern werden die schmalen, holprigen Feldwege ausgebessert oder
sogar zu guten, geteerten Straßen (Wirtschaftswegen) ausgebaut. Warum geschieht das?
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