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Auf den zugefrorenen Teichen schnitten Frauen und Kinder während des Winters das trockene Rohr für das Dach. Die Männer hoben auf Wieneckes Hof
eine tiefe Grube aus. Dann fuhren sie das Bauholz an. Die dicken Eichenstämme wurden über die Grube gewälzt. In wochenlanger, mühseliger Arbeit sägte man mit der langen Dellsäge Balken um Balken, Brett
um Brett, Hunderte an der Zahl. Die Zimmerleute maßen und sägten, schnitten die Zapfen an den Balkenköpfen, stemmten die Zapflöcher aus und bohrten die Löcher für die langen Holznägel, die die
ineinandergefügten Balken zusammenhalten sollten. Der Schmied schmiedete auf seinem Amboss die eisernen Nägel. Im Frühling stellten die Zimmerleute längs der Deele und auf den Grundmauern der Außenwände
vier Reihen mächtiger Ständer auf und verbanden sie durch Quer- und Deckenbalken. Auf den Deckenbalken errichteten sie den Dachstuhl. Als das Balkengerüst stand, feierte man die "Hausbörung",
das Richtfest. Da kamen~ alle, die beim Hausbau geholfen hatten, und guckten zu, wie die Gesellen auf das/ Dach stiegen und Hillebille klopften, dass man es bis ins Nachbardorf hören konnte. Man aß
Rinderwurst und trank tüchtig Schluck dazu, und Wienecke bedankte sich bei den Zimmerleuten und bei allen, die ihm so wacker geholfen hatten.
Nach dem Richtfest vergingen noch einige Wochen, bis Wieneckes in das neue Haus einziehen konnten. Die Handwerker legten die Bretter auf dem
Boden und auf den Bühnen, verschalten die Giebel und deckten das Dach mit Rohrbündeln. Die Fächer zwischen den Balken füllte Wienecke mit Knüppelgeflecht und Lehm, der mit Häcksel vermischt war. War das
eine Freude für die Kinder, als sie mit ihren bloßen Füßen den Lehm zu einem geschmeidigen Brei treten durften! Mit den Händen wurde er in den Wandfächern glattgeschmiert und mit Kalk geweißt. Zuletzt
wurden Türen und Fenster eingesetzt.
Die Balken über und neben der Deelentür ließ Wienecke schön verzieren. Die Zimmerleute schnitten Rose und Stern, die Wappen der Grafen zur
Lippe und von Sternberg, in die Ständer rechts und links neben der großen Tür. In den Balken über der Tür schnitzten sie den Namen des Bauern und seiner Frau ein und dazu die Inschrift:
Anno 1730 den 18. August ist das vorige Haus vergangen in den Brand, anno 1731 den 24. Mai, ist es wieder aufgebaut durch Gottes Hand. Herr,
wenn dein Wort nicht wär mein Trost gewesen, so wär ich vergangen in meinem Elend.
Aufgaben:
1. Warum wurde 1752 die Lippische
Landesbrandkasse in Detmold gegründet? Was weißt du von der Feuerversicherung deiner Eltern?
2. Wie war das Bauernhaus eingerichtet?
3. Suche folgende Gegenstände und erkläre ihre Verwendung!
Zeichne einige von ihnen! Kohlpott, Kesselhaken, Feuerstülpe, Fußwärmer, Butterkerne, Wurstebock, Wasserjoch, Speckgaffel.
4. Sammle Inschriften von alten
Häusern deines Heimatortes und zeichne Verzierungen, die du an ihnen findest!
5. Wenn du nach Detmold kommst, vergiss nicht, das Landestmuseum und das Freilichtmuseum zu besichtigen! Aus seinen Sammlungen kannst du über das Leben der Menschen in alter Zeit sehr viel lernen.
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