Kinder-Lippe

 Startseite

 Lippisch Platt

 
Lippische Städte

 Lippe-Atlas

 Schule in Lippe

 Arbeit in Lippe

 Lippische Sagen

 Unsere Heimat
 
ein altes Schulbuch

 Lippe-Links

 Schreib- und
 Leseecke


 Inhaltsübersicht

 
Newsletter/Kontakt

 
Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ernte

zurück zur Inhaltsübersicht

Im Sommer können wir auf den Feldern noch hin und wieder Menschen sehen, die ihr Korn mit der Sense mähen, mit der Harke abnehmen und mit der Hand binden. Sie schwitzen dabei tüchtig, denn die Arbeit ist anstrengend. Wie froh können sie sein, dass das Feld nur klein ist und dass sie bald fertig sein werden!

 So sind früher auch die großen Felder der Bauern abgeerntet worden. Wenn Ende Juli der Roggen reif war, versammelten sich die Mäher und Abnehmerinnen auf der Deele. Die "Kerls" fassten das "Streek" und wetzten damit die Sense, dass es bis in die Luke hinauf klang. Die Frauen standen dabei und hielten sich lachend mit der Schürze die Ohren zu. Trat der Bauer auf die Deele, so sagte die Grogmagd einen Spruch auf. Dann ging der Buddel herum.

 Mit Blumen geschmückt, zogen die Mäher und Abnehmerinnen hinaus aufs Feld. Geschafft wurde an dem ersten Mähtag nicht viel. Zu oft guckten die Männer in die Flasche. Davon wurden sie schlapp und mussten sich unter den Büschen ausruhen, immer wieder.

 Am nächsten Tag aber machten sie Ernst. Von der Frühstückspause bis zur Mittagszeit und dann wieder bis in den späten Abend mähten sie, beinahe Tag für Tag, sechs mühevolle, lange Wochen hindurch, der Bauer voran, dicht dahinter Knechte und Tagelöhner. Da gab es kein Schlappmachen. Zurückbleiben, das wäre eine Schande gewesen. Die Frauen nahmen das gemähte Korn mit der Harke ab, drehten Seile aus Halmen, banden die Garben und richteten sie in Reihen auf. Ein Glück für die Männer, dass das Korn damals viel dünner stand als heute! Die Felder wurden kaum gedüngt. Kunstdünger war noch unbekannt. Die Halme waren schwach, die Ähren kurz und leicht. Darum legte sich das Korn auch nicht platt auf den Boden, wenn es einmal stark regnete und stürmte.

 Wenn die Sonne das Getreide etwa eine Woche getrocknet hatte konnte es eingefahren werden. Darauf freuten sich die Kinder schon lange Zeit vorher. Die kleinen Jungen und Mädchen durften den Leiterwagen auf dem Felde von Hocke zu Hocke fahren. Die Leine mussten sie dabei immer schön straff halten, damit die Pferde nicht mit dem Maul nach den Garben greifen konnten. Zwischendurch gab es viel Spaß mit dem Hunde, wenn er die Mäuse unter den Hocken schnappte, hinter den Fröschen herjagte oder seinen Ärger mit einem Igel hatte. Die großen Kinder standen oben auf dem Leiterwagen und halfen laden. Das war schon eine Kunst! Wenn das Fuder schief geladen war, kippte es um. Dann wurden die Packer ausgelacht. Ganz stolz war ein Bauernjunge, wenn er das erstemal ein Fuder zum Hof fahren durfte. Brachte er es glatt durch die Deelentür mitten unter die Luke, dann durfte er sich als richtiger Mann fühlen. Über der Luke war unter dem First ein Wellrad, die "Ploiggen", befestigt. Darüber hing ein dickes Balkenseil mit einem Eisenhaken. Mit diesem Haken wurden die Bunde einzeln oder zu zweien auf den Boden gezogen. Da oben bildeten Knechte und Mägde eine Kette und warfen mit Heugabeln einander die Garben zu bis zu der Stelle, wo sie aufgeschichtet wurden.

weiter