Kinder-Lippe

 Startseite

 Lippisch Platt

 
Lippische Städte

 Lippe-Atlas

 Schule in Lippe

 Arbeit in Lippe

 Lippische Sagen

 Unsere Heimat
 
ein altes Schulbuch

 Lippe-Links

 Schreib- und
 Leseecke


 Inhaltsübersicht

 
Newsletter/Kontakt

 
Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bauern und ihre Kleidung

zurück zur Inhaltsübersicht

Die Bauern erzeugten nicht nur alle Lebensmittel selbst. Sie stellten auch das, was man für die Kleidung braucht, zum größten Teil selbst her. Für die Kleidung sorgten die Schafe und der Flachs. Auf jedem Hofe wurden Schafe gehalten. jedermann baute Flachs an. Noch vor hundert Jahren waren Flachsfelder den Lippern ein so gewohnter Anblick wie Roggen- und Haferfelder.

 Der Flachs

 Aufgabe:      Aus einem Leinenlappen ziehen wir einen Faden und betrachten ihn unter einem Vergrößerungsglas. Wir sehen, dass er aus vielen einzelnen zusammengedrehten Fasern besteht. Legt ein Menschenhaar daneben und vergleicht die Dicke!

 Die Fasern sind in den Stengeln einer Pflanze gewachsen, die euch vermutlich unbekannt ist: Flachs (auch Lein genannt). Aber ihr kennt doch alle Brennesseln? Wenn ihr einen Brennesselstengel zerreißt, so seht ihr, dass er von langen, festen Fasern durchzogen ist. Ähnliche Fasern enthält auch der Flachsstengel.

 Der Flachs liefert den Menschen nicht nur Fasern. Aus seinen blauen Blüten entstehen in der Reifezeit Kapseln. Jede Kapsel enthält zehn kleine Körnchen, Leinsamen genannt. Ihr kennt ihn sicherlich, denn Leinsamen ist in dem Vogelfutter enthalten, das wir in den Geschäften für unsere Zimmervögel kaufen. Kneift einige Samenkörner mit dem Fingernagel durch! Die Finger werden fettig. Leinsamen enthält Öl. Leinöl, das man aus Leinsamen presste, verwendeten die Leute früher als Brennstoff für ihre Lampen, ehe es Petroleum gab. Leinsamen, zu einem schleimigen Brei gekocht, gab man den Kühen, wenn sie sich verfressen hatten. Die Frauen bereiteten daraus heiße Umschläge, wenn jemand krank war. Leinöl wird auch zum Anrühren von Farben und zur Herstellung von Linoleum (Bodenbelag) gebraucht.

 Wie der Flachs geerntet und aufbereitet wurde

 Der Flachs wurde im Mai gesät. Im Juli, kurz vor der Roggenernte, war er reif. Er wurde nicht gemäht, sondern mit den Stengeln aus der Erde gerupft, damit man möglichst lange Fasern bekam. Die Früchte pflückte man nicht mit der Hand ab; das hätte zu lange gedauert. Auf der Deele band man ein Wagenrad auf einen Holzbock und befestigte auf den Felgen oder Speichen eiserne Kämme, Reepe genannt. Die Reepefrauen zogen den Flachs durch die Eisenzinken. Dabei fielen die Früchte und die meisten Blätter zu Boden. Die Männer banden die Stengel zu Bündeln.

Die Flachsbündel fuhr man auf Leiterwagen zur Flachsrotte. Das war ein kleiner Teich, durch den ein Bach flog. Die Bündel wurden in das Wasser geworfen, mit Stroh und Brettern bedeckt und mit Steinen beschwert. Dann ließ man den Flachs neun Tage rotten, das heißt faulen. Dabei verfaulten die äußere Haut und die holzigen Teile der Stengel, und die Fasern lösten sich. Man breitete den Flachs in dünnen Schichten vier Wochen zum Trocknen auf einem Stoppelfeld aus. Der letzte Rest Feuchtigkeit wurde in einem heißen Backofen herausgedörrt. Danach konnte man die Stengel unter den eisernen Kanten der Flachsbreche,

Racke genannt, zu kleinen Stücken zerbrechen, ohne die Fasern zu beschädigen. Viele Stengelstückchen fielen dabei von den Fasern ab, andere blieben hängen. Sie lösten sich erst, wenn man den Flachs ein paar mal durch die eisernen Zinken der Hechel zog. So bekam man endlich die reinen Fasern.

 Wie die Fasern zu Garn gesponnen wurden

 Die einzelnen Fasern waren viel zu dünn und zu kurz. Daraus konnte man keinen Stoff weben. Sie mussten erst zu Fäden gesponnen werden.

 Wenn der Winter kam, saßen Tag für Tag Bauer und Bäuerin, Knechte und Mägde und sogar die Kinder oft bis in den späten Abend am Spinnrad. Der Spinner schlug die Flachsfasern um einen Stock, den Rocken, und setzte ihn auf das Spinnrad. Aus dem Rocken zog er einen feinen Faden und befestigte ihn an der Spule des Spinnrads. Wenn er dann das Spinnrad wie eine Nähmaschine mit dem Fuß in Bewegung setzte, drehte es die Fasern zu einem Faden zusammen und wickelte ihn auf. Für die Kinder war es gar nicht einfach, das Spinnen zu lernen. Einmal geriet ihnen der Faden zu dick, dann wieder zu dünn, und manchmal riß er sogar. Dann gab es Tränen, und die Mutter musste trösten und die Fadenenden wieder aneinander knüpfen. Mochte ihnen auch der Rücken schmerzen von dem langen Stillsitzen, mochten die Finger wund werden von dem durchlaufenden Faden, sie bekamen nicht eher frei für Spiel und Schularbeit, bis sie ihr Teil gesponnen hatten, 1000-2000 Meter täglich, je nach Alter. Eine erwachsene Magd musste jeden Tag 3000 Meter Faden spinnen. Wie freuten sich die Menschen, wenn abends die Nachbarn mit ihren Spinnrädern zu Besuch kamen und wenn man sich die eintönige Arbeit durch Geschichten und Lieder verkürzen konnte!

 Wie das Garn zu Leinen gewebt wurde

 Viele Bauern besaßen einen Webstuhl und webten das Garn selbst zu Leinwand. Die Frauen nähten daraus Bettlaken und Bettbezüge, Tischdecken und Hemden und füllten damit Schränke und Truhen für den eigenen Haushalt und für die Aussteuer der Töchter. Aus Leinwand schneiderte man auch die Kleider für die Frauen, die Hosen und Kittel für die Männer, denn nur die Festtagsgewänder waren aus Wollstoff gefertigt.

 Hast du einmal etwas vom Waschen und Scheren der Schafe und von der Verarbeitung der Wolle gehört?

weiter