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Als Zieglerjunge in der Fremde

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"Sünte Jakob", den 14. Oktober, hörte die Arbeit in der Ziegelei auf, und die Ziegler fuhren in ihre lippische Heimat zurück. Nur wenige blieben noch einige Zeit da, um die letzten Steine zu brennen und aus dem Ofen zu karren.

 Tegelers Fritz war unter den ersten Heimkehrern. Seine Mutter freute sich, dass sie den Ältesten wieder zu Hause hatte. Und Vater, der in diesem Jahr nicht mitgezogen war, ließ sich alles haarklein erzählen, was der junge in seinem ersten Zieglersommer in der Fremde erlebt hatte. Als die Turmuhr im Dorf elf schlug, saßen sie noch immer in der Stube zusammen.

Am kommenden Morgen schlief Fritz sich zunächst einmal tüchtig aus. So kam er erst nachmittags zu seinem Freund Karl Brinkmann, der noch zur Schule ging.

 Karl saß gerade in der Küche an seinen Rechenaufgaben. Als er Fritz über den Hof kommen sah, sprang er auf und lief ihm nach draußen entgegen.

 „Schön, dass du wieder da bist! Na, wie war es denn auf der Ziegelei? Ich dachte, ich hätte einmal etwas von dir gehört - aber Pustekuchen! Du hast wohl gar nicht mehr an mich gedacht? - Aber komm, setz dich zu mir auf die Bank und schieß schon los! Ich bin sehr gespannt."

 Und Fritz berichtete. "Ja, als wir auf der Ziegelei ankamen, habe ich zuerst ein langes Gesicht gemacht. In eine alte Baracke mussten wir einziehen, die sah einer Scheune ähnlicher als einem Wohnhaus. Im Schlafraum lagen für jeden ein Strohsack und ein paar Decken bereit. Das war alles. Kleiderschränke gab es da nicht. Unsere Sachen ließen wir einfach im "Pucken", den konnten wir gut als Kopfkissen gebrauchen.

 Der Meister zeigte mir gleich hinter der Baracke die Pumpe. Ich sollte ja kochen und musste wissen, wo ich das Wasser für den Kaffee holen konnte. Ob es allen in der ersten Zeit geschmeckt hat, was ich gekocht habe, weiß ich nicht. Sie haben es gegessen, wie es gerade geraten war. Später gelang es mir bestimmt besser; denn es gab ja alle Tage immer nur das gleiche Essen: morgen-, Hafergrütze, mittags Erbsen mit Kartoffeln Lind Speck. - Alles, was ich zum Kochen brauchte, besorgte der Meister. Die Ausgaben für die Lebensmittel zog er uns vor ein paar Tagen erst ab, als er den Lohn auszahlte. Brot, Speck und Wurst musste sich jeder selber halten. Speck und Wurst hatten wir ja mitgebracht. So brauchten wir nur noch das Brot zu kaufen."

 "Als Koch hattest du doch ein feines Leben", meinte Karl.

 "Nein, mein Lieber, das Kochen musste ich nebenher besorgen.

 "Und was für Arbeit musstest du noch verrichten?"

 "Die Steine abtragen, die der Meister aus dem frischen Ton geformt hatte. Einige Tausend schaffte er am Tag, und ebenso oft musste ich hin und her rennen. Du weißt, ich konnte ja immer ganz gut laufen, aber hier wurde es mir in den ersten Wochen fast zuviel. Oft habe ich die Zähne zusammenbeißen müssen, damit ich nicht schlappmachte. Doch nach und nach habe ich mich an die Rennerei gewöhnt."

 "Na, da hast du aber manches Paar Schuhsohlen durchgelaufen? Und die Strümpfe hatten sicher auch alle paar Tage Löcher?" fragte Karl.

 "Was du wohl denkst! Schuhe und Strümpfe wurden nur sonntags angezogen. Und wenn die Strümpfe durch' waren, musste ich sie stopfen."

 "Dann hast du deine Hemden und Hosen auch wohl selber gewaschen und geflickt, wie?"

 "Meinst du, das hätten die andern für mich getan? Für Waschen, Flicken und Stopfen hatten wir nur am Sonntag Zeit oder auch einmal samstags, wenn wir etwas früher Feierabend gemacht hatten. An den übrigen Wochentagen wurde es immer sehr spät. Vor acht, neun Uhr hörten wir selten auf. Und dann war ich So müde, dass ich mich sofort auf den Strohsack warf. Morgens um vier war die Nacht schon wieder vorbei."

 Aus der Schlafkammer drang jetzt das Schreien eines kleinen Kindes.

 "Das ist unser Wilhelm. Ja, der kann das schon ganz prächtig", sagte Karl stolz.

 "Ich habe gar nicht gewusst, dass du ein Brüderchen bekommen hast", antwortete Fritz erstaunt.

 "Lebst du denn hinter dem Mond? Hast du denn die ganze Zeit nichts von hier gehört?"

 "Nur einen einzigen Brief habe ich auf der Ziegelei bekommen, das war alles."

 Die beiden Freunde hockten noch lange auf der Bank. - Ob Karl es wohl an diesem Nachmittag noch geschafft hat, all das auf die Reihe zu bringen, was sich den Sommer über im Dorf zugetragen hatte?

 Den Rest der Rechenaufgaben erledigte er diesmal nicht so ordentlich wie sonst.

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