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Lemgo

In Silber (Weiß) eine blaue fünfblättrige Rose ohne Kelchblötter mit goldenem (gelbem) Butzen.

    
Geschichte der Stadt Lemgo

Limgauwe und Limga werden schon Anfang des 11. Jahrhunderts erwähnt. Wenn es sich dabei auch um eine Gaubezeichnung handelt, so ist der Zusammenhang mit dem Gaumittelpunkt, der Kirche St. Johann vor dem Johannistor, wo später nachweislich das Gogericht abgehalten wurde, doch unverkennbar. Hier lag schon vor der Stadtwerdung Lemgos eine dörfliche Siedlung, von der nur die alte Kirche außerhalb der Stadtmauern übrig blieb, bis sie schließlich im 30jährigen Krieg mit Ausnahme des Turms abgebrochen wurde.

Eine Urkunde von 1149 nennt zwei Häuser in Limego als Besitz des Benediktiner-Nonnenklosters Willebadessen, doch ist von städtischen Rechten noch nicht die Rede. Die älteste im Stadtarchiv Lemgo aufbewahrte Urkunde stammt erst aus dem Jahre 1245. Bernhard III., Edelherr zur Lippe, bestätigte darin der Stadt Lemgo die ihr von seinem Vater und Großvater verliehenen Rechte und städtischen Privilegien. Man hat daraus geschlossen, dass der Großvater Bernhards III., Bernhard II., Lemgo 1190 gegründet hat. Fünf Jahre zuvor hatte Lippstadt bereits eine entsprechende Urkunde erhalten, in der wie bei Lemgo die Zusicherung enthalten war, dass die Edelherrn zur Lippe innerhalb der Stadt kein befestigtes Haus erbauen wollten, es sei denn mit Einverständnis der Bürger. In Lemgo besaßen die Lipper, dort wo sich heute das Engelbert-Kämpfer-Gymnasium befindet, den unbefestigten Lippehof, ganz in der Nähe einer Reihe anderer Adelshäuser im Westen der Stadt. Weiter östlich hatten sich die fernhändlerischen Kaufleute niedergelassen, die innerhalb der Stadt schon bald eine beherrschende Rolle spielten. Sie bestimmten den Markt der Altstadt neben der neuerbauten Nicolaikirche, denn sie hatten nach dem Wandschneiderprivileg von 1253 das alleinige Verfügungsrecht über den Tuchverschnitt und -verkauf. Lemgo hatte zu dieser Zeit schon eine beachtliche wirtschaftliche Stellung, wie sich aus der Münzprägung seit dem 1. Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erkennen lässt. Sie zeigt sich aber auch darin, dass der Paderborner Bischof Lemgo schon 1231 zum Archidiakonatssitz bestimmte. Ende des 13. Jahrhunderts werden Lemgos Beziehungen zur Hanse deutlich. Zusammen mit Herford und Bielefeld besaß Lemgo schon 20 Jahre zuvor die Währungsführung im nordöstlichen Westfalen. Die Beziehungen der Kaufleute reichten über Lübeck bis Wisby, Stockholm, Abo in Finnland und andererseits über Bremen und Elberfeld nach Flandern. Tuche, Leinen und Garn waren die wichtigsten Handelsartikel Lemgos.

Schon vor 1265 dürfte die Lemgoer Neustadt gegründet worden sein, die 1283 von Simon I. zur Lippe ihr Stadtprivileg erhielt. Die Neustädter Marienkirche war 1279 schon vorhanden. Sie wurde 1306 dem von Lahde im Landkreis (damals : Bistum) Minden nach Lemgo verlegten Dominikanerinnenkloster St. Marien inkorporiert. Bis 1365 war die Neustadt selbständig und durch eine markierte Trennung von der Altstadt getrennt. Erst dann wurde sie mit der Altstadt vereinigt. Bereits zu dieser Zeit gab es in Lemgo ein organisiertes Zunftwesen, das um 1360 bei einem Streit dem Rat gegenüber in Erscheinung trat und sich mit der Konstituierung der Mehrheit neben dem neuen und alten Rat einverstanden erklärte. Spätestens die erste Blütezeit des Handwerks im 15. Jahrhundert brachte dann die Einbeziehung der Gilden in die städtischen Führungsgremien. Nunmehr bestand das Stadtregiment aus den so genannten vier Haufen: aus dem neuen oder geschworenen Rat, dem alten oder abgehenden Rat, der Meinheit als Vertretung der sechs Bauerschaften (Stadtteile) und den Dechen als Vertretung der Gilden oder Ämter (Zünfte). Wenn sich auch die Zusammensetzung des vierten Haufens mit der wechselnden Bedeutung der Gilden veränderte, so wurden doch in der Regel als ratsfähig angesehen: die Kramer, Höker, Knochenhauer, Bäcker, Schmiede, Wollweber, Schuster und Löher, Brauer und Schneider. Sie entsandten je zwei Vorsteher in das Kollegium der Dechen.

Das 15. Jahrhundert war aber nicht nur eine Blütezeit des Handwerks, sondern zugleich eine Zeit schwerer Fehden. Die Gilden waren daher zur Verteidigung ihrer Stadt aufgerufen und übernahmen in Ernstfall zu diesem Zwecke bestimmte Abschnitte des Walles. Daher rühren die Bezeichnungen Schmiedewall, Leineweberwall, Wandmacherwall, Kramerwall, Kaufmannswall, Schusterwall und Bäckerwall. Welchen Beitrag die Gilden zur Bewaffnung zu leisten hatten, war ebenfalls festgelegt. Als die politische Bedeutung der Handwerksgilden schwand, wurde 1575 die Lemgoer Schützengesellschaft gegründet. Durch die Vereinigung von Alt- und Neustadt hatte Lemgo eine Größe erreicht, die der von Herford und Lippstadt entsprach. Schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts dürfte Lemgo die Zahl von 4.000 Einwohnern überschritten haben. Die Wohlhabenheit Lemgos zeigte sich insbesondere auch 1447, als die Stadt in der Soester Fehde durch Zahlung von 25-26.000 Gulden eine Belagerung und Zerstörung abwenden konnte.

Ein Jahr später wurde auf Anregung des Herforder Fraterhauses das Lemgoer Süsterhaus im Rampendal gegründet, dessen Gebäude nach der Reformation dem Lemgoer Gymnasium zugesprochen wurde. 1560 entstand hier die erste Lemgoer Druckerei. Franziskaner-Observanten kamen 1463 nach Lemgo, um den ihnen geschenkten Molenbeckschen Hof als Kloster einzurichten. Die Klosterkirche trat später als Kirchspielkirche an die Stelle der abgebrochenen Kirche St. Johann extra muros (außerhalb der Mauern).

Insbesondere über die Herforder Fraterherrn gelangten auch die Gedanken der Reformation nach Lemgo, die sich gegen den altgläubigen Rat und Landesherrn durchsetzten und die Stadt schon 1533 zum lutherischen Bekenntnis führten. Lemgo blieb lutherisch, als Simon VI. zur Lippe für sein Land das reformierte Bekenntnis einführte. Aus dem 16. Jahrhundert stammen eine Reihe prächtiger Bürgerhausbauten in Lemgo, gleichzeitig ging jedoch der hansische Fernhandel zurück.

1556 wurde die lübische Tagfahrt zuletzt besucht, Zahlungen aus Lemgo an die Hanse erfolgten bis 1622.

Der Dreißigjährige Krieg brachte den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Die Einwohnerzahl betrug nach dem Kriege mit 1.500 nicht einmal ein Drittel der Vorkriegszeit. Andererseits stieg die Zahl der Gewerbetreibenden auf dem Lande. Hinzu kamen noch Seuchen und die verstärkt einsetzenden Hexenverfolgungen, wobei seit 1666 der Hexenbürgermeister Hermann Cothmann eine unheilvolle Rolle spielte. Wenn auch mit der Verbrennung des Hexenbuches im Jahre 1715 der Schlussstrich unter den Hexenwahn gesetzt wurde, brachte das 18. Jahrhundert dennoch keine ausreichendeswirtschaftliche Erholung, was um 1789 in den "Kameralistischen und historischen Beiträgen zur Beschreibung des Lippischen Landes" zu der Charakterisierung führte: "Lemgo ist von der ehemaligen Größe einer Hansestadt zu einem eingemauerten Dorfe heruntergesunken, in dessen Wällen und Ringmauern Wiesen und Felder liegen. Auch hier existiert weder Handlung von Belang noch Fabrikengeist. Jedoch macht die berühmte Meyersche Buchhandlung eine Ausnahme. Man lebt vom Ackerbau, Brandtweinbrennen, Materialhandel und den gewöhnlichen Handwerken. Zehntausend Menschen könnten hier leben, und ich glaube, dass keine zweitausend hier wohnen." Es waren 1788 immerhin 3.050 Einwohner.

Besonders zu erwähnen sind für das 19. Jahrhundert die Herstellung von Meerschaumpfeifen und der Wagenbau in Lemgo. Im Handwerk liegen zahlenmäßig die Schuster mit 82 auch noch 1871 an der Spitze, gefolgt von Bäckern und Tischlern mit je 26.

Die Städteordnung von 1843 änderte in Verbindung mit dem Ortstatut von 1847 die Altüberlieferte Gemeindeverfassung. Steigende Bevölkerungszahlen führten verstärkt erst um 1870/1880 zu einer Siedlungserweiterung über den ursprünglichen Stadtkern hinaus. Neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnete der Eisenbahnanschluss im Jahre 1896 und die offizielle Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1868, wenn auch der alte Zunftzwang schon früher weggefallen war.

Infolge des Rückgangs der Weberei und Spinnerei mussten neue Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden. Um 1860 gab es in Lemgo sechs Unternehmen der Tabak- und Zigarrenfabrikation. Das reichte aber nicht aus, um alle Arbeitskräfte aufzunehmen. Die zweite Erwerbsquelle war das Ziegelbrennen in der Fremde. Der Eisenbahnanschluss förderte die Holzindustrie. Neben kleineren Betrieben gab es in Lemgo zu Beginn des 20. Jahrhunderts sechs Möbelfabriken, zwei Polstergestellfabriken und sieben Sägewerke, die aber auch nur einen Bruchteil der freien Arbeitskräfte beschäftigen konnten. Aktuelle Informationen zum Gewerbe in Lemgo finden Sie, wenn Sie diesem Link folgen.

Die Bevölkerungszahl Lemgos erhielt nach dem 2. Weltkrieg einen starken Zuwachs und erreichte 1949 fast 20.000 gegenüber 13.489 im Jahre 1939. Nach der Eingliederung von 13 bis dahin selbständigen Gemeinden 1969/1970 zählte Lemgo 37.953 Einwohner.

Quelle: Homepage der Stadt Lemgo www.lemgo.de